Yashu kocht
Yashu ist eine Kurzgeschichte, die die beiden Charaktere Yashu und Coco vorstellt. Mehr zu Yashu und Coco in der Kurzgeschichte Die Jagd.
| Charaktere
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| Yashu | |
| Coco | |
Yashu kocht
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Langsam aber stetig sank die Sonne dem Horizont entgegen. Ihr schwächer werdendes Licht tauchte die weiten Ebenen des Brachlands in einen rötlichen Schimmer, Berge und Bäume warfen lange Schatten. Es war ein lauer Sommerabend. Das Singen der Vögel war leise geworden, die Bewohner der Steppe erschöpft von einem langen, heißen Tag. Nur der sanfte Wind, der von Norden über das Land wehte, war frisch wie der junge Morgen. Spielerisch zupfte er an Grashalmen, raschelte in den Blättern von Palmen, und kräuselte das Wasser der Oasen. Hoch über den nördlichen Hügeln des Brachlands schwebte ein kleiner, dunkler Fleck. Es war ein Blatt, hauchdünn und feingliedrig, dass der Wind von einem Baum in den Wäldern Ashenvales gezupft hatte. Den ganzen Weg über die Berge hatte er es getragen, auf und hinab, sinkend und steigend, in der Luft tanzend. Gerade taumelte es dem Boden entgegen, schwebte neben einer Felswand tiefer und tiefer, bis ein plötzlicher Windstoß es erneut ergriff und vorwärts trug. Das Blatt schwebte durch einen Pass zwischen den Felsen, vorbei an Schluchten und Plateaus, bis es plötzlich aus der Enge der schroffen Klippen hinaus in die Weite eines Tals geweht wurde. Der Talkessel lag friedlich inmitten der Berge. Ein Bach gluckerte zwischen wispernden Bäumen entlang, sonst war es still. Im Norden des Tals lag ein befestigtes Lager. Umgeben von hölzernen Palisaden drängten sich dort Zelte und Häuser gegen eine hohe Felswand. Aus dem Lager stiegen hohe Rauchfahnen in den Himmel. Vereinzelte Gestalten gingen zwischen den Zelten entlang. Über diesem Lager, befreit von den rauschenden Winden der Schluchten, sank das Blatt aus Ashenvale nun wieder gen Boden. In großen Kreisen schwebte es tiefer und tiefer, vorbei an einem großen Platz, über die Spitze des höchsten Zeltes im Lager, einer abgelegenen Ecke im Schatten der nördlichen Felswand, zwischen einigen Zelten und der Arena zur linken, entgegen. In dieser ruhigen Ecke hatte Yashu seinen geliebten Kessel aufgestellt. Das schwere Kochgerät aus dunklem Metall war von außen mit kunstvollen Verzierungen geschmückt. Yashu selbst kniete vor dem Kessel und pustete in das knisternde Feuer darunter. „Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Mahlzeit“, hatte sein Großvater ihm damals erklärt, „Ist ein enorm heißes Feuer!“ „Ach Opa.“ knurrte Yashu leise zu sich selber, als er sich aufrichtete und strich mit dem Finger zärtlich über die Ornamente. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ein unauffälliger Schatten durch die Luft schwebte und in dem Kessel verschwand. „Eh!“ Schrie Yashu, und fasste blitzschnell in den großen Topf. „Aua!“ Schrie er dann, und zog die Hand hastig zurück. Zwischen den Fingern hielt er das feingliedriges Blatt, das der Wind aus den Wäldern Ashenvales über die Berge geweht haben musste. Fluchend ließ Yashu das Blatt fallen und hüpfte hin und her, wobei er an seinem verbrannten Finger saugte. “Aber das Feuer ist wohl heiß genug“. Dachte er. Als der Schmerz verklungen war, wandte Yashu sich dem wackeligen Tisch zu, den er neben dem Kessel aufgebaut hatte. Darauf lag eine beeindruckende Sammlung von Löffeln, Messern, Beilen, und allerlei exotischen Geräten, deren Zweck man schwer erahnen konnte. Daneben stapelten sich allerlei Säckchen, Beutel und Kästchen, aus denen es würzig duftete. In der Mitte schließlich stand eine große Schüssel mit Kartoffeln, die bereits in Scheiben geschnitten worden waren. Zufrieden knurrend hob er die Schüssel in die Höhe und trug sie zu seinem Kessel. Es zischte und brodelte, als er sie unter lautem Getöse in das kochende Wasser des Kessel poltern ließ. “Ausgezeichnet!“ fand Yashu, griff nach einem langen Kochlöffel, und begann unter fröhlichem Pfeifen zu rühren. Die lange weiße Kochmütze auf seinem Kopf schwankte dabei hin und her. Nach einer Weile des Pfeifens und Rührens legte Yashu den Löffel beiseite. Erwartungsvoll grinsend marschierte er zurück zu seinem Tisch und griff in den Stapel der Beutel und Säckchen. Gezielt nahm er vier Beutel heraus und ging zurück. Kurz blickte er nachdenklich in den brodelnden Kessel, dann leerte er kurzerhand alle vier Beutel hinein. Nacheinander rieselten Grüne Blätter, ein rotes Pulver, ein graues Pulver und trockene braune Bröckchen in die brodelnd Masse. Zufrieden rieb Yashu sich die Hände. In diesem Augenblick huschte ein schwarzer Schatten zwischen den Zelten entlang. Lautlos glitt er unter gespannten Seilen hindurch und sprang über Hindernisse. Er erreichte die stille Ecke im Norden des Lagers, und trottete langsam auf den kochenden Troll zu, der ihn nicht bemerkte. Schließlich stieß er seinen Kopf gegen Yashus Beine und knurrte leise. Yashu sah sich um. Zu seinen Füßen hockte ein schwarzer Wolf und blickte ihn vorwurfsvoll an. „Coco!“ Freute sich Yashu, und wuschelte seiner Wölfin durch das dunkle Fell. “Hast du ein Kaninchen gefunden?“ Coco knurrte und legte das tote Kaninchen, dass sie im Maul getragen hatte, vor Yashu auf den Boden. Yashu tätschelte ihr lobend den Kopf. “Sehr gut.“ verkündete er, hob das Kaninchen auf, und marschierte damit zurück zu seinem Tisch. Coco folgte ihm. „Das wird dem Eintopf den nötigen Geschmack geben.“ erklärte Yashu, während er nach einem Messer griff und mit geübten Handgriffen begann, das Kaninchen zu häuten. Coco drehte sich auf wölfische Art zweimal im Kreis, legte sich auf den Boden, und sah mit hungrigem Blick zu, wie der Troll fröhlich summend die verwertbaren Teile des Kaninchens zurecht schnitt, würzte, und mit Honig bestrich. Dann schloss sie die Augen und fiel in einen leichten Schlummer. Coco erwachte erst, als die Sonne bereits zur Hälfte hinter den Felswänden im Nordosten versunken war und sich der lange Schatten der Berge bereits über das Lager schob. Gähnend hob sie den Kopf von den Pfoten und sah sich um. Yashu stand wieder vor seinem geliebten Kessel, und stampfte mit einem Langen Stab darin herum. Coco stand auf und schüttelte sich. Dann trottete sie zu dem Troll und rieb ihren Kopf an seinem Bein. Yashu kraulte sie kurz hinter den Ohren, fuhr dann aber mit Stampfen fort. Coco schnupperte. Sie roch den frischen Geruch von gebratenem Fleisch. Etwas abseits war ein zweites, kleineres Feuer entfacht worden. Darüber stand eine Pfanne, in der das gefangene Kaninchen brutzelte. Neugierig schlich Coco näher. Doch Yashu kam ihr zuvor und hob die Pfanne vom Feuer. “Das is' nix für Wölfe.“ erklärte er grinsend und trug das duftende Fleisch zurück an seinen Tisch. Mit geübtem Handgriff ließ er es auf ein hölzernes Brett gleiten, griff nach einem Messer, und begann, es in kleine Stücke zu schneiden. “Etwas wenig für so viel Eintopf.“ Erläuterte er, und ging zurück zum Kessel. Coco folgte ihm. “Hättest ruhig ein fetteres Kaninchen fangen können, eh?“ Coco knurrte beleidigt. Yashu lachte und schon das geschnittene Fleisch mit dem Messer in die zerstoßenen Kartoffeln. „Ich hab' inzwischen auch geschnittenen Kaktusapfel dazugegeben.“ Fröhlich pfeifend trug er das Brett zurück. “Aber die beste Zutat kommt noch.“ Geheimtuerisch sah er sich um und zog schließlich einen unauffälligen Beutel aus rotem Stoff unter dem Tisch hervor. “Elfenohren!“ erklärte er triumphierend. “Schon gewürfelt. Das ist das gewisse Extra. Er grinste. Coco gähnte erneut und wandte sich uninteressiert ab. “Tss.“ sagte Yashu beleidigt. “Wölfe haben halt keinen Geschmack.“ Schulterzuckend rückte er seine Kochmütze zurecht, ging zurück zum Kessel und leerte den Inhalt des Beutels hinein. Zufrieden rührte er noch einige Male durch den duftenden Eintopf und schüttete dabei einen halben Becher Salz hinzu. “Fertig!“ Rief er schließlich, und klatschte vor Freude in die Hände. “Coco, ich bin fertig!“ Coco knurrte uninteressiert. “Tss. machte Yashu wieder. „Ich werde den Anderen bescheid sagen. DIE freuen sich bestimmt über so ein Festmahl.“ Glücklich pfeifend ging er zurück in das Lager. Coco hatte bereits den Kopf auf die Pfoten gelegt
und war fest eingeschlafen.
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