Vorsicht wird überbewertet

Aus ZdC Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ich ließ mich inspirieren und fange nun auch an, die Geschichte meines einen Charakters, Wizzix, hier fortzuführen, da ich aus RL-Gründen im Spiel nicht aktiv Rollenspiel betreiben kann. Viel Spaß!


Vorsicht wird überbewertet

von Wizzix

Die schöne Soraika mit ihren schneeweißen Haaren

Es war ein stürmischer Tag. Wizzix lag auf seiner Wolldecke und hörte zu, wie der Regen auf das Zelt einprasselte und der Wind durch die Bäume fegte. Seit fast zwei Stunden regnete es ununterbrochen. Die Gruppe war gezwungen, am Wegesrand zu rasten und zu warten, ob sich das Wetter ändere. Wizzix war schon seit drei Tagen mit einem Paar zwergischer Händler, Grambli und Khromna Steinfuß, die zwischen dem Arathi-Hochland und dem Sumpfland pendelten, und einer jungen Draenei namens Soraika auf dem Weg zur Zuflucht. Bisher kamen sie nur sehr langsam voran. Grambli schätzte die Reise auf mindestens einen weiteren Tagesmarsch ein, sollte das Wetter denn auch gut mitspielen. Da Wasser bereits zur Neige ging, hatte Soraika Eimer aufgestellt. Nahrung gab es im wilden Hochland genug, hatte Khromna versichert. „Nun gut“, murmelte Soraika, die die ganze Zeit in einem alten Liebesroman gestöbert hatte, und sah den auf dem Rücken liegenden Wizzix an. „Da ihr mir ja gesagt habt wie es ausgeht...“ Sie sah den Gnom verärgert an. „...Brauch ich es ja auch nicht mehr zu lesen.“ Wizzix grinste bloß, was Soraika nur mehr verärgerte. „Ihr erlaubt euch zuviel, das denke ich“, brummte sie ihn an, worauf er mit einem provokanten Achselzucken antwortete. Seufzend sank sie in ihre Wolldecke zurück, schloss die Augen und gähnte müde. „Wir laufen nun seit Tagen diese Straße entlang und bisher sind wir keiner Seele begegnet“, sagte sie vorsichtig. „Verfolgt euch auch solch ein mulmiges Gefühl seit der letzten Kreuzung?“ „Was meinst du?“, entgegnete der Gnom. „Als ob man uns beobachte. Dieses flaue Gefühl im Nacken“, begann Soraika nun zu flüstern. Wizzix schüttelte nur den Kopf. Ihm erging es zwar ähnlich, aber er dachte nicht so weit, als dass er es verdächtig finden würde. Plötzlich hörten beide, wie Hufe auf Stein schlugen. Soraika schreckte aus ihrem Halbschlaf auf. Pferde, mindestens fünf an der Zahl, so laut wie sie waren. Man hörte Leute durcheinander reden. Erst auf dem Weg, wo man die Huflaute vernahm. Dann auch leises Geflüster nahe bei Gramblis und Khromnas Zelt. Wizzix musste sich angestrengt konzentrieren, um die Stimmen raus zu filtern, da der Regen sie fast übertönte. „Irgend'ne Ahnung, wer da is'?“, zischelte Wizzix Soraika leise zu. Er stellte die Frage mit einem Unterton, der seine plötzlich aufsteigende Anspannung erahnen ließ. Die Draenei blinzelte Wizzix erschrocken an. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, als sich langsam leise Schritte näherten. Sofort richteten sich ihre Blicke auf den Eingang des kleinen Zelts, als sie hörten, wie vorsichtig eine Klinge aus der Schwertscheide glitt.


Die Leute vor dem Zelt traten näher, als Wizzix eilig nach der Zange aus seinem Werkzeugkasten griff. Soraika hielt gespannt die Luft an und sah hilfesuchend zu dem Gnom. Jener deutete der Draenei an, leise zu sein, und positionierte sich neben dem Zelteingang. Ein Moment der Stille herrschte. Nur Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten. Schon stürmten zwei vermummte menschliche Gestalten in das Zelt, beide mit Dolchen bewaffnet. Dem ersten kam die Zange entgegen, die sich sogleich in dessen Bauch grub. Der vermummte Mann keuchte und krümmte sich und sah zu dem Gnom, der soeben bemerkte, wie unvorteilhaft es ist, einen Bewaffneten zu verärgern. Er hatte zwar eine Zange, hatte aber nicht die Konditionen, um einen Nahkampf zu gewinnen. Sein Gegenüber machte allerdings den Eindruck, zu wissen, wie man einen Dolch effektiv führt, was Wizzix nur nervöser machte. „Wegrennen oder kämpfen, wegrennen oder kämpfen?!“, sprachen die Stimmen in seinem Kopf. Soraikas Kreischen weckte ihn dann rechtzeitig aus der Angsttrance, sodass er sich unter dem Gegenangriff hinwegducken konnte.


Der andere machte sich sogleich auf den Weg zu Soraika und fing sich direkt eine heftige Ohrfeige, gefolgt von einem fiesen Huftritt zwischen die Beine. Doch als die Draenei bemerkte, dass es weniger Wirkung zeigte als erhofft, begann sie schon wieder ohrenbetäubende Schreie von sich zu geben. Wizzix und sein Gegenüber schauten dem merkwürdigen Gefecht zwischen der behuften Lady und dem Räuber, der verzweifelt versuchte, die Draenei mit gezielten Dolchstichen zu treffen, die ihm aber immer wieder durch die Lappen ging und immerzu nur kratzte, trat und ohrfeigte, zu. Irritiert sahen sich der Gnom und sein Gegner an, bevor beiden wieder einfiel, in welcher Situation sie sich befanden. Ein gepresstes „Dreck!“ gab Wizzix von sich, als der Feind mit vorgehaltenem Dolch losstürmte. Im selben Moment sowie er die Waffe zum Angriff hob, waren da Hufe, anstelle von Händen. Das Gesicht verformte sich, Wolle wuchs auf seinem Rücken und ging auf wie Hefe und nur wenige Sekunden später stand ein unschuldig schauendes Schaf vor dem triumphierend lächelnden Gnom. „Idiot!“, lachte der Gnom und sah dann zur überforderten Soraika. Kaum war sich der verbliebene Räuber siegessicher, so frierten auch schon seine Füße am Boden fest. Ein weiterer kräftiger Tritt ins Gesicht folgte und er sank zu Boden, vor Schmerzen schreiend. „Arschgesicht“, spuckte Soraika aus und wendete sich Wizzix zu. „Was nun?“, sagte sie. „Weiß nich'. Also, wenn da noch jemand draußen ist, wird er dein Gekreische wohl gehört haben. Es sei denn Grambli und Khromna haben sie bereits überwältigt... oder ihnen die Ohren abgebissen.“ Tatsächlich konnten Soraika und Wizzix nur das gleiche Gemurmel wie zuvor heraushören. Vorsichtig wagte Wizzix einen Blick nach draußen. Ein Blutelf stand vor der niederknienden Khromna. Neben ihr lag die entstellte Leiche von Grambli. Der Blutelf sah aus wie ein Magier. Gekleidet in dunkle, weite Roben sah er auf die flehende Khromna herab und hob die Hand. Wizzix spürte, welch mächtige und besonders unreine Magie er kanalisierte. Es berauschte ihn, wie die Energie strömte. „Was siehst du?“, flüsterte Soraika unsicher. Wizzix antwortete nicht und sah dem Elfen bei seinem Zauber zu. Erst jetzt bemerkte er das Dutzend Räuber, dass sich um das kleine Lager versammelt hatte und still dastand, offenbar in einer Art Trancezustand gefangen.


Khromna kniete und weinte. Der Regen hatte sie bereits völlig durchnässt. Wizzix erschrak, als der Blutelf die Magie entfesselte. Plötzlich riss die Brust Khromnas auf und literweise Blut wurde durch den Zauber aus hier herausgesogen und sammelte sich in einer wabernden Blutkugel vor dem Elfen. Eine gestandene Minute entzog er ihrem Körper das Leben. Sie war schon längst tot, als die völlig blutleere Leiche zu Boden sank. Der Blutball vor dem Elfen löst sich langsam auf und er raubte die Lebensenergie. Langsam drehte der Blutelf seinen Kopf zu Wizzix und grinste ihn an. Der Gnom verschluckte sich und huschte zurück ins Zelt. „Was? Was ist los?“, fragte Soraika aufs Neue. „Scheiße, wir ham 'n Problem. Ich glaub' wir ham's mit 'nem mächtigen Hex-“, er brach ab und engte die Augen. „Scheiße, Soraika! Das'n Blutmagier!“ Wizzix fasste sich an die schweißgetränkte Stirn und sah sich hektisch um. Soraika schüttelte verständnislos den Kopf. „Was hat das zu bedeuten? Was ist ein Blutmagier?“ „Das sind extrem mächtige und extrem böse Hexenmeister der Blutelfen. Manche von ihnen können gar das Blut in unseren Adern beherrschen. Mann, Soraika, und das is' so einer! Scheiße, Soraika, ich will noch nicht sterben!“ Soraika machte, im Gegensatz zu Wizzix, der sich leise Gebete zuflüsterte, vergleichsweise wenig Sorgen, obgleich dem drohenden Schicksal. „Hast du...“ Sie sah ihn an, während er auf und ab ging. „...irgendeine Idee?“ „Ja, wir könnten rausgehen und mit ihm zusammen durch die blumenbedeckten Wiesen von Nagrand tanzen! Scheiße, Soraika! Das is' echt schwerer Tobak!“ Wizzix regte sich immer besonders auf, wenn es um sein Leben ging. Beide wurden schlagartig still und schauten sich an, als vor dem Zelt seltsame Geräusche zu hören waren.


Eine Frau sprach außerhalb des Zelts, da war sich Wizzix sicher. Aber keine gewöhnliche Frau. Die Stimme verriet ihm, dass es eine Todesritterin sein musste. Irgendwo hatte er die Stimme schon einmal gehört, jedoch hielt ihn die Angst davon ab, genauer nachzudenken. Soraika sah sich im Zelt um. Die beiden Räuber, die sie zuvor bekämpft hatten, waren glücklicherweise noch kampfunfähig. Der eine bewusstlos am Boden, der andere ein Schaf, dass nun bedenkenlos die Essensvorräte vertilgte. „Pass auf...“ begann Wizzix leise. „Uns bleibt wohl keine andere Wahl. Wir werden jetzt einfach...“, er unterbrach... oder wurde unterbrochen, als ein Räuber ihm durch den Zelteingang, von dem sich Wizzix dummerweise noch nicht entfernt hatte, eins mit einem Streitkolben verpasste und er zu Boden ging. Er hörte nur noch einzelne Schreie von Soraika und ein verschwommenes Bild, wie vermummte Leute ihn packten und fesselten, bevor ihm dann doch schwarz vor Augen wurde.

Erschrocken erwachte Wizzix auf dem Rücken eines Pferds. Vor ihm ein Mann in schwarzer Lederrüstung. Der Gnom war gefesselt. Das Seil um seine Handgelenke hatte seine Haut aufgekratzt. Er war von oben bis unten nass, sein Hinterkopf schmerzte und sein Schädel brummte und pochte. Alles vor seinen Augen war verschwommen und durch die unangenehme Schaukelbewegung des Trabens wurde ihm etwas übel. Es war mittlerweile Nacht. Der Regen hatte nicht aufgehört und sich stattdessen in ein Gewitter verwandelt. Das Rauschen des Unwetters schmerzte in Wizzix' Ohren, sein ganzer Körper war durchgefroren und zitterte unkontrolliert. Der Gnom wagte einen Blick über die Schulter. Hinter ihm waren drei weitere Pferde zu erkennen, auf einem lehnte die bewusstlose Soraika an den Reiter. Erschöpft wendete sich Wizzix wieder um und kauerte sich zusammen. Was gäbe er jetzt für einen heißen Kakao in einer ruhigen Taverne vor dem Kamin. Ein altes Buch vor der Nase, am liebsten ein kitschiger alter Liebesroman, Romulo und Juliette zum Beispiel. Er schwelgte in Gedanken, lächelte und vergaß die Umstände für einen kurzen Augenblick. Doch sobald nervte ihn die bittere Realität schon wieder. Eine Decke wäre ihm schon genug. Für eine einfache Wolldecke würde er im Augenblick sogar töten. Leise seufzte er und schloss die Augen. Irgendwann konnte er dann auch die Wirklichkeit vergessen und einschlafen, ob sie nun schon Stunden oder bloß Minuten ritten, konnte Wizzix nicht mehr einschätzen.