Vergeltung
"Vergeltung" ist eigentlich das vorerst letzte Kapitel zur Geschichte meines Charakters Parallax und keine eigenständige Geschichte. Wer sich vorher die Charakterbeschreibung von Parallax durchliest, kann aber durchaus alles nachvollziehen.
Viel Spaß beim lesen!
--Parallax 19:45, 01. Juni 2008 (CEST)
Vergeltung
|
Östliche Pestländer „Die Männer sind bereit“ sagte Marwein mit entschlossener Stimme. Richter Syrus gab mit einem knappen Nicken das Zeichen zum Angriff. Der Schutztrupp des Lordrichters formierte sich. Ihre Lanzen und Schwerter fest im Griff, ritten sie frohen Mutes der Gefahr entgegen. Marwein führte sie an. Corins Kreuzung war früher ein ruhiges Dorf, bevor sich die Seuche der Geißel ausbreitete und die Pestländer entstanden. Doch nun wimmelte es hier von Skelettkriegern, Ghuls und Monstrositäten der Untotenarmee. Einige Zauberer und Totenbeschwörer des Kults der Verdammten hielten sich ebenfalls in dem heruntergekommenem Dorf auf und warteten auf weitere Befehle ihres Meisters, dem Lich Kel’Thuzad. Der Weg gabelte sich hier. Im Osten führte er zur Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts. Diese war in fester Hand der Argentumdämmerung. Viele Helden tummelten sich dort, so dass sie vor Übergriffen der Geißel geschützt war. Doch die Männer des Lordrichters hatten den Weg nach Nordwesten im Auge. Dort lauerte im Pestwald die nächste Gefahr in Form von Untoten. Und Jene, die es tatsächlich durch den Pestwald schafften, erwartete die Stadt des Todes, Stratholme. Früher war sie das Prunkstück des Königreichs von Lordaeron. Erbaut vom Orden der silbernen Hand, blühte das Leben in dieser Stadt. Seitdem die Seuche der Untoten ausbrach und Prinz Arthas die Stadt zerstörte, ist von diesem Prunkstück nichts mehr übrig. Kel’Thuzad regiert nun in seiner Zitadelle des Todes, genannt Naxxramas, die direkt über Stratholme schwebt. Seine Geißelarmee wütet überall in der Stadt. Nur ein kleiner Posten von Anhängern des Scharlachroten Kreuzzuges, die die Geißel mit aller Macht bekämpfen, versuchen die Stadt von der Untotenarmee zu befreien. In ihrer Heiligen Bastion verschanzen sie sich und sehen Tag für Tag dem Tod ins Auge. Immer wieder fragte sich Marwein, Paladin der Stadtwache und ergebener des Lordrichters Syrus Grayson, was seinen Vorgesetzten bewegte, diese Bastion der Scharlachroten aufzusuchen. Seine Fragen werden bald beantwortet... Es war ein kurzer Kampf. Marwein’s Männer schlachteten einen Untoten nach dem anderen ab. Die herumtreibenden Ghuls waren keine Gegner für die tapferen Soldaten. Die einzige Stärke der Geißelarmee, war die zahlenmäßige Überlegenheit. Schon bald würden die Zauberer des Kults der Verdammten weitere Kreaturen heraufbeschwören und sie in die Welt hinauslassen. Doch vorerst war der Weg in den Pestwald frei. Marwein formierte seine Männer. Zum Schutze des Lordrichters bildeten diesie einen Kreis. Kein Ghul und kein Skelettkrieger würde den Weg hindurch finden. Syrus nickte Marwein zufrieden zu. „Der Pestwald ist direkt vor uns, Mylord. Dort wird es gefährlicher werden.“ „Eure Männer werden der Gefahr trotzen, Marwein!“
„Männer, macht euch auf alles gefasst!“ rief Marwein seinen Soldaten zu. Mit vierzig Männern waren der Paladin Marwein und der Lordrichter Syrus von Stormwind aus losgezogen. Einer von ihnen kam im Hinterland um, als einige wahnsinnige Trolle es wagten, den Schutztrupp anzugreifen. Ein Troll hatte ihm hinterrücks eine Axt in den Nacken gerammt. Anschließend wurde das Dorf der Trolle von den Männern Marwein’s vollständig ausgelöscht. Die Leiche ihres Mitstreiters wurde am Lager der Argentumdämmerung an der Chillwindspitze vergraben. In den Pestländern angekommen verloren zwei weitere Mitstreiter des Schutztrupps ihr Leben, als eine Horde von Skelettkriegern die Männer überfielen. Den Skelettkriegern erging es ähnlich wie den Trollen im Hinterland. Aus Angst vor der Seuche der Geißel und zu ihrem eigenem Schutz wurden die Leichen der beiden Männer verbrannt. Siebenunddreißig von Marwein’s Männern hatten es also bis zum gefürchteten Pestwald geschafft. Marwein schwor seine Männer auf den bevorstehenden Kampf ein. „Wachen, bleibt stets in der Nähe des Richters! Egal was sich uns in diesem Wald in den Weg stellt, wir behalten unsere Formation bei und töten alles was sich uns in den Weg stellt! Dies ist erst der Anfang. Hinter dem Pestwald erwartet uns Stratholme! Rechnet mit dem Schlimmsten, Männer! Aber denkt immer daran, das Licht wird uns nicht verlassen und gemeinsam bahnen wir uns den Weg in die Bastion unserer Verbündeten!“ Die Männer erhoben ihre Schwerter, womit sie Marwein ihre Entschlossenheit demonstrierten. Furchtlos ritten sie in Richtung des Pestwaldes voran, als plötzlich ein Feuerschweif vor ihnen entflammte. Das grelle Licht blendete die Streiter, sodass sie ihren Vormarsch abrupt stoppten. Eine dunkle Gestalt trat aus dem Licht. Die Männer sahen nur schwarze Umrisse. Nur ein mächtiger Zauberer konnte so aus dem Nichts auftauchen. Die Männer waren verunsichert. Marwein ergriff das Wort, obwohl auch er nur eine schwarze Gestalt ausmachen konnte. „Wer seid ihr, das ihr euch uns so dreist in den Weg stellt?“ sagte er unschlüssig. „Kehrt um!“ schallte es mit verzerrter Stimme aus der dunklen Gestalt heraus. Marwein runzelte die Stirn. „Soll das eine Drohung sein?“ fragte er unsicher. Die dunkle Gestalt zeigte auf den sich im Hintergrund befindenden Lordrichter. „Dieser Mann führt euch alle in euer Verderben! Kehrt um!“ rief die Gestalt mit drohendem Unterton. Die Verzerrung in der Stimme der Gestalt schmerzte Marwein’s Männer. Diese wirkten mit einmal sehr verunsichert.
Im Pestwald war es erstaunlich ruhig. Staubige Wolken zogen an den Soldaten vorbei. In der Ferne hörte man schreie. „Seht dort oben“ sagte einer der Männer und zeigte gen Himmel. „Die Zitadelle des Schreckens“ sagte Marwein knapp. Naxxramas schwebte über der Stadt Stratholme, die hinter dem Pestwald lag. Marwein’s Männer hatten noch einen langen Weg durch den Wald. Doch die Zitadelle schien direkt über den Soldaten zu schweben. „Wir müssen weiter, Männer!“ Mit diesen Worten holte Marwein die beinahe ängstlich wirkenden Soldaten aus ihrer Lethargie. Der Schutztrupp ritt tiefer in den Wald hinein. Einige Ghuls kreuzten ihren Weg. Die Männer mussten nicht einmal von ihrem Ross steigen, um sich ihnen anzunehmen. „Ist das der gefährliche Wald von dem ihr gesprochen habt, Marwein?“ fragte der Lordrichter mit großer Überheblichkeit. Marwein ließ keine Reaktion folgen. „Sire, seht dort hinten!“ rief einer der Männer. „Sie kommen!“ ergänzte ein anderer. In der Ferne sah man eine Armee aus Skelettkriegern. Mit langsamen Schritten kamen diese auf den Schutztrupp zu. „Bereit machen, Männer! Zeigt diesen Untoten aus welchem Holz ihr geschnitzt seid!“ Marwein ritt voran. Seine Männer folgten ihm ohne zu zögern. Lordrichter Syrus blieb mit einigen Soldaten im Hintergrund. Die erste Reihe der Skelettkrieger wurde von der anreitenden Masse um Marwein und seinen Männern zertrampelt. Ein wilder Kampf entbrannte. Der Paladin stürzte von seinem Ross und sah sich von den Untoten der Geißel umzingelt. Mit seiner goldenen Klinge zerschmetterte er einen von ihnen nach dem anderen. Für einige seiner Männer sah es nicht so gut aus. Immer mehr vielen der Übermacht der Untoten zum Opfer. Mit jedem Schrei, den Marwein im Adrenalinrausch vernahm, stieg die Wut in ihm.
Dies erkannte nun auch der Lordrichter. Der grauhaarige Mann stieg von seinem Ross. Die Soldaten um ihn herum baten ihn zurück zu bleiben. Doch der Lordrichter zog seine magische Klinge und gab seinen Bewachern mit einem mürrischen Knurren zu verstehen, das sie ihn hindurchlassen sollten. Und so geschah es. Marwein, der sich nun selbst in einer misslichen Lage befand, da die Skelettkrieger ihm allmählich seine Kraft raubten, bemerkte den Richter zunächst nicht. Syrus ging mit langsamen Schritten näher an die Schlacht heran. Mit einem Mal breitete er seine Arme aus und murmelte einige unverständliche Worte. Marwein sah zum Lordrichter herüber. Er hatte solche Worte schon einmal gehört, wusste sie aber noch nicht einzuordnen. Als er den Feuersturm erspähte, der sich langsam über den Skelettkriegern entfaltete, fiel es ihm wieder ein. Es waren dämonische Sätze, die er einst von Hexenmeistern hörte, kurz bevor er sie erschlug. Feuerregen fiel vom Himmel und zerfetzte einen Skelettkrieger nach dem anderen. Marwein sah dem Treiben des Lordrichters ungläubig zu. Seine Männer waren ebenfalls erstaunt. Ihr Vorgesetzter, Richter Syrus Grayson, der unzählige Verurteilungen von Schattenmagiern und Hexenmeistern vollzog, war selbst ein Dunkelzauberer? Marwein wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte. Um ihn herum lagen zahlreiche Leichen. Viele seiner Männer hatten es nicht geschafft. Die Untoten der Geißel waren vernichtet. Im Angesicht des Todes durch die Geißel hatte Syrus ihn und seine Männer gerettet. Doch er fuhr Syrus wütend an. „Ihr seid ein Ketzer!“ „Hütet eure Zunge, Marwein!“ entgegnete ihm dieser. „Meine Männer und ich haben es mit eigenen Augen gesehen. Ihr habt dämonische Zauber eingesetzt und...“ Syrus unterbrach den aufgebrachten Marwein. „Und uns alle gerettet, ja!“ Marwein verschlug es die Sprache. „Ich bin nicht das wofür ihr mich haltet, Marwein! Ich habe lediglich einige nützliche Fähigkeiten meiner Opfer gelernt.“ „Eurer Opfer?“ Marwein sah Syrus entgeistert an. „Ich werde euch alles erklären, Marwein. Sobald wir in der Bastion sind, erfahrt ihr alles. Aber nun sollten wir aufbrechen bevor noch mehr Untote hier auftauchen.“ Marwein nickte etwas wiederwillig. Die übrigen Männer, zwanzig an der Zahl, legten die letzten Meter zur Zugbrücke zurück, die kurz vor den Stadttoren Stratholme’s lag. Nach der Schlacht im Pestwald waren sie sehr entkräftet. Und nun sollten sie sich in die Stadt des Todes wagen? Marwein gefiel die ganze Situation nicht. Auf der Brücke angekommen und den Wald hinter sich gelassen, sah man die Zitadelle des Schreckens nun direkt über der Stadt schweben. „Sire, können wir dem Richter überhaupt noch vertrauen?“ flüsterte einer der Männer Marwein heimlich ins Ohr. „Das werden wir bald erfahren. Lasst ihn jedenfalls nicht aus den Augen!“ erwiderte dieser.
Syrus lachte triumphierend, als der letzte Untote zu Staub zerfallen war. In seinem Gesicht erblickte Marwein düstere Züge. Er konnte seinem einstigen Mentor nicht mehr über den Weg trauen. „Wir müssen weiter zur Bastion“ rief Marwein. Drei seiner Männer waren gefallen. Es schien nur so, als würde dies Marwein nichts ausmachen. Er musste seinen Männern ein Vorbild sein und Stärke zeigen. Der Schutztrupp stand nun vor einer Kreuzung. „Wo müssen wir hin?“ fragte einer der übrigen siebzehn Soldaten. „Weiter nach Westen!“ sagte Marwein. Auf dem Weg sahen die Männer ein weiteres Hindernis auf sie zukommen. Eine grässliche Monstrosität kam mit schweren Schritten auf sie zu. Der runde Kopf der Bestie war mit Narben übersät. Der Bauch war offen und einige Innereien hingen aus ihm herab. In einer der vernarbten Hände schwing die Kreatur eine Axt. Eine solche Bestie hatte keiner der Männer jemals zuvor gesehen. „Habt ihr für dieses Ungetüm auch einen Zauberspruch auf Lager, Syrus?“ fragte Marwein. Der Richter nickte mit einem arrogantem Grinsen. Er meditierte kurzzeitig und murmelte einige unverständliche Worte. Mit seinen Händen formte er einen immer größer werdenden Feuerball und schleuderte ihn in Richtung der Bestie. Diese ließ einen grellen Schrei verlauten und fing an zu brennen. Doch selbst dieses heiße Höllenfeuer schien sie nicht stoppen zu können. „Zückt eure Schwerter, Männer! Dieses Ungetüm zerschneiden wir in Stücke!“ rief Marwein. Mutig liefen seine Männer und er auf die Bestie zu und schlugen wild mit ihren Schwertern auf sie ein. Doch diese holte mit ihrer Axt aus und erwischte einige der Soldaten tödlich. „Zielt auf die Beine!“ rief Marwein. „Dann kriegen wir sie zu Boden und können sie köpfen!“ Einer der Männer fackelte nicht lange und traf die Bestie empfindlich an dem Brocken, den man kaum als Bein bezeichnen könnte. Die Bestie holte noch ein mal aus und rammte ihre Axt in den Bauch eines Soldaten. Doch der nächste Treffer gegen das Bein der Kreatur ließ sie auf die Knie senken. Marwein holte mit seiner goldenen Klinge weit aus und spaltete den vernarbten Schädel der Bestie. Diese fiel nach vorne um und zuckte nur noch ein wenig. „Wir haben es geschafft“ freute sich einer der Männer. „Aber zu welchem Preis?“ sagte Marwein. Sieben Soldaten hatte die Monstrosität der Geißel erschlagen. Ihre blutüberströmten Leichen wurden bereits von Ratten befallen. Marwein’s Männer sahen geknickt zu Boden. „Wir haben keine Zeit zu trauern! Die Bastion ist nicht mehr weit! Folgt mir!“ sagte Richter Syrus und ging mit erhabenen Schritten voran. Marwein und seine übrigen zehn Soldaten folgten ihm. Die Bastion war nur noch zwei Straßen entfernt. Der Schutztrupp, oder das was von ihm übrig war, rechnete mit starkem Widerstand der Geißelarmee. Doch was sie auf der Straße zu sehen bekamen, verwunderte sie. „Überreste von Untoten“ sagte Marwein, der niederkniend den Boden untersuchte. „Jede Menge sogar. Hier hat vor kurzem ein großer Kampf stattgefunden.“ Die Männer gingen weiter die Straße hinauf. Die Bastion war nun in Sichtweite. „Da vorne ist sie! Wir haben es geschafft!“ rief einer der Männer. Der Weg zur Bastion der Scharlachroten war frei. Abgesehen von den Überresten der Untoten und einigen verkohlten Menschenleichen, die wohl zu Scharlachroten Soldaten gehörten, die auf der Straße lagen. Es war ein Bild des Schreckens. Langsam traten die Soldaten vor das Tor der Bastion. Keine Barrikade und keine Verriegelung, wie sie eigentlich erwartet hatten, hielt sie davon ab das Tor zu öffnen. „Sollten hier nicht ein paar Wachen patrouillieren?“ fragte einer der Soldaten. Marwein spürte das etwas nicht stimmte. „Ich gehe voraus“ sagte er knapp. Die Soldaten betraten die Bastion der Scharlachroten. Richter Syrus sah sich endlich am Ziel. Die hinteren Männer schlossen das Tor und verbarrikadierten es mit einigen Bretter, die auf dem Boden herumlagen. Marwein ging einige Schritte weiter durch den ersten Gang in einen größeren Raum. Auf einem Tisch brannten einige Kerzen. Sie schienen noch nicht sehr lange zu brennen. Höchstens ein paar Stunden. Marwein gab seinen Soldaten ein Handzeichen ihm zu folgen. „Hallo? Ist hier jemand?“ rief er in den leeren nächsten Gang. Er bekam keine Antwort. Hatte die Geißel es etwa in die Bastion hinein geschafft? Wo waren die Streiter des Scharlachroten Kreuzzugs? Marwein wartete ab, bis er eine Antwort auf seine Fragen erhielt. Eine Blutspur zog sich über den Gang bis in den nächsten Raum hinein. Vorsichtig betrat Marwein den Raum. Überall am Boden lagen blutüberströmte Körper. Einige schienen noch zu atmen. „Schnell Männer, diese Leute brauchen unsere Hilfe“ rief Marwein und versuchte mit seinen Heilzaubern den schwerverletzten Anhängern des Scharlachroten Kreuzzuges zu helfen. Doch für die meisten war es schon zu spät. Ein Überlebender saß mit dem Rücken an die kalte Steinmauer des Raumes gelehnt. Der Lordrichter erblickte ihn und ging auf ihn zu. Er packte sich den blutüberströmten Mann und fragte ihn schroff „wo ist das Buch?“ Der Mann zeigte in Richtung des Eingangs der Bastion. „Ist es etwa nicht mehr hier?“ fuhr Syrus den Mann an und schüttelte ihn. „Was macht ihr dort?“ rief Marwein dem Richter erbost zu, als er dessen Treiben bemerkte. Der Richter ließ den Mann los. „Herausfinden was hier geschehen ist“ antwortete Syrus knapp. Marwein kniete sich vor den verletzten Mann. Mit seinen heiligen Zaubern versuchte er sein Leiden zu lindern. Doch er wusste, das dies den Tod des Mannes nur kurz hinauszögern würde. „Was ist passiert?“ fragte Marwein den Mann. Mit letzter Kraft erzählte dieser, was geschehen war. „Die Geißel hat uns...überfallen...wir stemmten uns ihnen entgegen, doch es waren zu viele...einige von uns konnten in den Keller fliehen und verbarrikadierten sich dort...“ Etwas Blut floss aus dem Mund des Mannes. „Was ist mit dem Buch geschehen, hat es etwa die Geißel an sich genommen?“ fragte der Lordrichter. „Nein...“ antwortete der verletzte Scharlachrote und fügte hinzu: „die Untoten hatten uns umzingelt. Wir waren am Ende unserer Kräfte...als plötzlich zwei Männer wie aus dem Nichts auftauchten. Der Eine von ihnen verbrannte die Untoten mit ketzerischen Zaubersprüchen...er muss ein Hexenmeister gewesen sein...der Andere war sehr schnell und geschickt mit seinen Dolchen und zerschnitt die Untoten mit seinen Klingen...“ Der blutüberströmte Mann atmete immer schwerer. „Sie fragten ebenfalls nach dem Buch...doch ich wusste nicht ob man ihnen trauen kann...ich sagte ihnen, das Buch wäre bei einem der Angriffe der Geißel...vernichtet worden...aber...in...Wahr...heit...“ Dies waren die letzten Worte des Mannes. Marwein schloss seine Augen und stand wehmütig auf. „Er ist tot“ sagte er knapp. „Wir müssen in den Keller!“ rief einer der Männer. „Nein, wir müssen raus in die Stadt. Als ich den Mann nach dem Buch fragte, zeigte er nur auf den Eingang der Bastion. Es muss irgendwo in der Stadt sein!“ fauchte der Lordrichter. „Das ist Wahnsinn!“ entgegnete ihm Marwein. „Wir sind zu wenig Männer. Wenn wir da wieder rausgehen, wird keiner von uns überleben!“ Der Richter ignorierte Marwein’s Warnung. Er zückte seine magische Klinge und wandte sich an Marwein’s Soldaten. „Männer, wollt ihr nun Geschichte schreiben und mit mir das Buch der Tausend Schatten wiederbeschaffen, oder wollt ihr lieber hier auf euren Tod warten?“ Marwein’s Männer schauten sich fragend an. Einer von ihnen machte den Anfang und stellte sich demonstrativ zum Lordrichter. Ein weiterer folgte ihm. Und noch einer. Schließlich blieben nur zwei Soldaten an Marwein’s Seite. Der Paladin versuchte zwar noch, seine Männer aufzuhalten, doch diese folgten nun dem Lordrichter. Dieser ging voraus und verließ mit seinem Schutztrupp die Bastion der Scharlachroten, um der Spur der Verwüstung zu folgen, die ihn zum Buch der Tausend Schatten führen sollte. Der Paladin ging zögerlich in Richtung des Eingangs. „Verbarrikadiert das Tor hinter mir“ sagte Marwein zu seinen beiden letzten Getreuen. „Und dann flüchtet in den Keller!“ Die Männer salutierten vor ihrem Anführer und sahen ihm hinterher. Als er die Bastion verlassen hatte, schlossen sie das Tor. „Möge das Licht euch beistehen“ sagte einer der Beiden. Lordrichter Syrus und seine Männer gingen derweil der Spur der Verwüstung nach, die offenbar der besagte Hexenmeister und sein Begleiter angerichtet hatten. Die Überreste einzelner Untoter führte sie immer weiter in das Herzstück der Stadt. „Haltet ein, Männer!“ befahl Syrus seinen Untertanen, als er in der Nähe explosionsähnliche Geräusche vernahm. Der Marktplatz der Stadt lag unmittelbar vor ihnen. Syrus erschrak, als er sah, wie ein Hexenmeister mit einigen Schattenblitzen sämtliche Untote, die sich in seiner Nähe befanden, auslöschte. Der Schock wurde noch größer, als sich der Hexenmeister von den Untoten abwandte, und sich in Richtung des Richters umdrehte. „Pa...Parallax“ stammelte er mit ängstlicher Stimme. Beim Anblick des Lordrichters setzte Parallax der Hexenmeister ein finsteres Grinsen auf. In seiner Hand hielt er ein Buch. Der Blick des Richters fiel auf die Hand des Hexers. „Das...Buch der Tausend Schatten“ stotterte er. Parallax nickte und grinste triumphierend. Sein Begleiter, der vermummte Schurke Erkenbrand tauchte wie aus dem Nichts an der Seite des Hexenmeisters auf. „Sieht so aus, als bekommst du nun deine Rache“ sagte er mit trockener Stimme zu Parallax. Marwein hatte alles mit angesehen. „Ihr seid uns gefolgt, Sire?“ rief einer seiner Männer etwas verlegen. Vermutlich schämte er sich, dem Richter die Treue geschworen zu haben und sich von Marwein abgewandt hatte. Doch Marwein hatte keine Augen für den Mann. Er ging näher auf den Hexenmeister zu und stellte sich neben den Lordrichter, welcher ängstlich den Griff um seine magische Klinge festigte. „Das ist es also. Das ominöse Buch der Tausend Schatten. Du willst es an dich nehmen, um zu verhindern das wir euch Hexenmeister Abschaum vernichten. Vergiss es, Hexer! Der Heilige Magus Alexander Calder hat das Buch nicht zu diesem Zweck geschrieben! Gib es raus und beuge dich deinem Schicksal, Parallax!“ sagte Marwein und erhob sein goldenes Schwert. Als er den Namen Calder hörte, runzelte Parallax mit der Stirn, was unter seiner teuflischen Maske nicht zu sehen war. „Sagtet ihr grade Alexander Calder?“ fragte er ungläubig. „Ihr enttäuscht mich, Hexer! Ihr sucht ein Buch dessen Geschichte ihr nicht einmal kennt?“ fragte Marwein mit Überheblichkeit. Parallax sah zu Erkenbrand herüber. Abwartend und mit einem stärker werdenden Grinsen sah er wieder zu Marwein. „Und ihr kennt natürlich die Geschichte des Buches? Vermutlich hat sie euch Richter Syrus verraten“ sagte Parallax in seinem verzerrtem Ton. Marwein nickte. Parallax sah spöttisch zum Lordrichter. „Der Heilige Alexander Calder, das ist wirklich eine klasse Geschichte.“ Parallax lachte laut los. Die Männer um Marwein sahen sich verwirrt an. „Was ist so komisch, Hexer?“ fragte Marwein erbost. Parallax sah den Paladin an. „Alexander Calder war mein Mentor, mein Lehrer. Ein mächtiger Hexenmeister, der einst in Stratholme lebte und zum Schutze vor der silbernen Hand die mächtigsten Schattenzauber zusammentrug, damit die dunklen Lehren der Hexenmeister in alle Welt hinausgetragen werden konnte.“ Parallax lachte abermals laut los. Marwein ring um Fassung. „Syrus, ist es wahr was er sagt?“ fragte er den Lordrichter. Dieser stammelte einige wenig Sinn ergebende Sätze vor sich hin, immer noch geschockt von der Tatsache, das Parallax am Leben war. „Eure Antwort sagt alles. Ihr habt meine Männer ins Verderben geführt, nur um an ein Buch zu kommen, das die düsteren Lehren der Schattenmagie verbreitet! Sobald wir wieder in Stormwind sind, wird über euch gerichtet werden, Richter Syrus!“ fuhr Marwein seinen ehemaligen Mentor an. „Ich fürchte sein Urteil wird jetzt und hier gesprochen werden“ sagte Parallax. Marwein hob eine Augenbraue. Alle Parteien standen sich nun gegenüber und sahen abwechselnd hin und her. Marwein gab seinen Männern das Zeichen ihre Schwerter zu ziehen. „Ich fürchte das kann ich nicht zulassen“ sagte Marwein. „Erinnert ihr euch an die dunkle Gestalt, der ihr auf dem Weg nach Stratholme zwei Mal begegnet seid? Nun stehe ich persönlich vor euch. Dies ist eure letzte Gelegenheit, Marwein. Kehrt jetzt mit euren Männern um und überlasst den Richter mir, und keinem von euch wird etwas geschehen.“ Parallax sah den Paladin ernst an.
Marwein wartete ab. Sollte er das Leben seiner restlichen Männer ebenfalls riskieren, für einen Verräter wie Syrus? Andererseits hatte selbst ein Mann ohne Ehre das Recht auf eine Verurteilung. Wenn er nun nicht einschreiten würde, wäre das Urteil bereits besiegelt, eine Exekution. Er sah seine Männer an und bemerkte die Entschlossenheit in ihren Augen. Sie würden ihm bis in den Tod folgen. „Männer, wir kämpfen für das Licht! Für Ruhm und Ehre! Vernichtet den Hexenmeister und seinen Begleiter!“ Mit diesen Worten lief der Paladin auf Parallax zu. Er lief in seinen Untergang.
Die Männer sahen sich nun Hexenmeister Parallax gegenüber. Doch dieser baute sich vor ihnen auf. „Euer Anführer wählte den Tod. Seid keine Narren und kehrt um!“ rief er. Marwein’s Männer sahen sich einen kurzen Moment lang an. Sie waren sich alle einig. Mutig stürmten sie auf den Hexenmeister zu und wählten somit das gleiche Schicksal wie ihr Anführer. Parallax schoss einige Schattenblitze genau auf die Herzen der Männer. Die Rüstungen der Soldaten waren zwar Hart wie Thorium, doch konnten sie der Macht der Schattenzauber des Hexenmeisters nicht widerstehen. Sie gaben unter dem Druck der Blitze nach und die Körper der Männer wurden nacheinander zerschmettert. Parallax hatte nicht die Fähigkeiten seines Gefährten Erkenbrand. Er kannte keinen Weg, seine Opfer ohne Leid zu töten. Zum ersten Mal schien ihm dies beinahe Leid zu tun. Doch als er durch die Leichen von Marwein’s Männern den Lordrichter Syrus erblickte, verschwand dieser Gedanke so schnell wie er gekommen war. Aus einem Ansatz von Reue entfaltete sich abermals die Rache, wegen der er überhaupt erst den Weg nach Stratholme gegangen war. Das Buch der Tausend Schatten noch immer in seiner Hand haltend, ging er mit erhabenem Haupt und tosenden Schritten auf Richter Syrus zu. Kein Untoter war in der Nähe zu spüren. Das Ziel seiner Rache stand direkt vor ihm. Noch ein letzter Schattenblitz und seine Rache war vollzogen. Doch der Lordrichter nutzte die Zeit und formte in seinen Händen einen Feuerball nach dem anderen und schoss sie in Richtung des Hexenmeisters. Parallax steckte jeden einzelnen Feuerball ein und sank mit schmerzverzehrtem Gesicht auf seine Knie. Diesen Moment wollte der Richter ausnutzen. Er zog seine magische Klinge und stürmte auf Parallax zu. Im letzten Moment konnte der Hexenmeister dem Lordrichter ausweichen. Der Richter schlug nun aus dem Stand auf Parallax ein. Mit seinen bloßen Händen blockte er das Schwert des Richters ab. Blut lief an den Händen des Hexenmeisters herunter. Mit aller Kraft hielt er die Klinge von sich ab. Der Lordrichter wusste, dass er der Kraft von Parallax nicht gewachsen war. Er trat nun gegen den Brustkorb des Hexenmeisters. Dieser musste das Schwert loslassen, sodass der Lordrichter erneut ausholen konnte. „Zurück mit dir in die Hölle!“ rief Syrus und stich sein Schwert in den Bauch des Hexenmeisters. Parallax fiel leblos auf seinen Rücken. Der Lordrichter grinste triumphierend. Vor ihm lag das Buch der Tausend Schatten. Als er sich grade niederkniete um das Buch aufzuheben, hörte er ein merkwürdiges Geräusch. Er wandte sich wieder Parallax zu und sah entgeistert zu ihm herüber. Ein von Schatten umhülltes Licht schien auf den Körper des Hexenmeisters. Das Ritual der Seelenspeicherung, mit Hilfe eines Seelensteins war unter den Hexenmeistern weit verbreitet. Es war die erste Lehre im Buch der Tausend Schatten. Parallax stand in einwandfreiem Zustand vor Syrus. Vor Schreck lies dieser das Buch fallen. Parallax zückte seinen Stab, der von seinen Feinden als Überbringer des Todes bezeichnet wurde. Diesmal war bei Parallax kein Anzeichen von Reue zu spüren, als er seinen Stab dem Richter durch den Magen rammte. Er spürte eher eine Erlösung in sich. Der Lordrichter spuckte Blut und schleuderte wild mit seinen Armen. Parallax sprach dämonische Wörter und entzog Syrus langsam seine Seele. Syrus schrie vor Schmerzen. Seine Qualen waren unermesslich. Die Zeit schien für ihn stillzustehen, auch wenn alles ganz schnell ging. Die Seele des Richters gehörte nun dem Hexenmeister. Vermutlich würde er aus diesem Seelensplitter einen Seelenstein formen, der eines Tages sein Leben retten würde. So wie es die Seele seines letzten Opfers zuvor getan hatte. Mit dem Buch der Tausend Schatten in der Hand, machte sich der Hexenmeister Parallax auf dem Weg zum Tor der Stadt des Todes, Stratholme. Die Leichen des Paladins Marwein und seiner Männer, sowie der seelenlosen Leiche des ehemaligen Lordrichters Syrus Grayson, blieben am Marktplatz der toten Stadt zurück.
„Meine Zeit ist gekommen!“ Parallax schaute sich um. Erkenbrand war wie aus dem Nichts hinter ihm aufgetaucht. „Ich habe mich schon gewundert wo du bleibst“ sagte der Hexenmeister knapp. Der Schurke hielt einen seiner Dolche fest in seiner Hand. Parallax sah Erkenbrand verwundert an. „Lange hab ich auf diesen Moment gewartet“ sagte Erkenbrand. Er nahm seine Maske ab und zeigte auf seine kaum noch sichtbaren Narben im Gesicht. „Erinnerst du dich?“ fragte er den Hexenmeister. Parallax nickte. „Als du mich im Schattenmondtal angegriffen hast, dachte ich mein Leben sei vorüber. Wochenlang spürte ich Schmerzen und die Genesung schritt nur langsam voran. Doch nicht nur mein Körper schmerzte mich, Hexer.“ Erkenbrand sah auf seine Klinge. „Die Tatsache, dass ein Veteran mir dies antat, schmerzte mich viel mehr, als die Narben.“ Parallax schwieg und hörte Erkenbrand weiter zu. „Trotz allem half ich dir, deine Rache über den Richter zu bekommen. Dies tat ich nicht für dich. In erste Linie tat ich es für das Veteranenkorps. Und um dich in Sicherheit zu wiegen.“ Erkenbrand wandte sich von seiner Klinge ab und sah Parallax an.
Insel von Quel’Danas Parallax hatte einen neuen Auftraggeber gefunden. Die Streiter der Zerschmetterten Sonne stellten sich auf der weit im Norden gelegenen Insel von Quel’Danas der Armee des einstigen Blutelfen Prinzen Kael’thas und der Brennenden Legion entgegen. Durch die Macht des Buches der Tausend Schatten war Parallax ein willkommener Verbündeter und schlug einige Male die Dämonen der Legion zurück. Als die Anführer der Zerschmetterten Sonne das Potenzial in Parallax erkannten, beschlossen sie ihn in einen elitären Kreis von tapferen Helden zu befördern, die sich bald einer gefährlichen Mission stellen sollten. „Ihr habt eine lange und beschwerliche Reise vor euch“ sprach Magister Ilastar, Offizier der Zerschmetterten Sonne. Die Sonne war grade erst aufgegangen. Der Magister hatte die Helden im Hafen von Quel’Danas vor sich versammelt und schwor sie mit seinen Worten auf ihre bevorstehende Abreise ein. Die Flotte stand bereit und wartete nur darauf, das die auserkorenen Helden der Zerschmetterten Sonne die Schiffe betraten. Parallax der Hexenmeister war einer von ihnen. „Da ihr im Kampf gegen die Legion sehr tapfer ward, und euch als loyal gegenüber der Zerschmetterten Sonne erwiesen habt, hege ich keinerlei Zweifel das ihr euer Ziel erreicht.“ Die Helden salutierten und betraten ihre zugewiesenen Schiffe. Parallax betrat sein Schiff als letztes. Auf dem Deck des Schiffes angekommen, schaute er sich um. Die meisten seiner Mitstreiter waren Blutelfen. Einige Draenei waren auch zu sehen. Parallax hatte in seinem Leben nicht viele Draenei kennen gelernt. Und die Wenigen, die er auf seinen Reisen traf, mied er. Sie waren eine Rasse, die an das Licht glaubte und Hexenmeister stets fürchteten und ihnen daher meist mit Hass entgegentraten. Parallax fühlte in seiner Tasche nach dem Buch der Tausend Schatten. Etwas Unbehagen machte sich in ihm breit. „He du!“ rief ihm jemand hinterrücks zu. Parallax drehte sich um. Ein Zwerg, mit schwerer Plattenrüstung und einer Axt, die fast größer als der Zwerg selbst war, sah den Hexenmeister mit ernster aber gutmütiger Miene an. „Du scheinst hier der einzigste Mensch auf diesem Schiff zu sein. Ich hoffe du verträgst ein paar Gallonen feinstes zwergisches Starkbier. Ich habe dich nämlich grade zu meinem Saufkumpanen ernannt!“ Parallax lachte. Nun wusste der Hexenmeister, dass er diese Reise nicht abgeschottet von den anderen Helden verbringen musste, wie er es zuvor in Azeroth gewohnt war. Parallax sah noch einmal zurück. Azeroth lag nun hinter ihm. Er drehte sich wieder zu dem gutmütigen Zwerg um und schaute auf das vor ihm liegende Meer. „He Mensch, was sagte dieser langohrige Elf noch gleich wo die Reise hingeht?“ Parallax sah den Zwerg an. Es hatte den Anschein, als könnte Nichts und Niemand diesen kleinen Zwerg aus der Ruhe bringen. „Northrend“ sagte Parallax knapp. „Oha, gut das ich meine Axt noch ein mal geschärft habe!“ erwiderte der Zwerg und fügte trocken „Ich heiße übrigens Baldur“ hinzu. Parallax nickte ihm zu. „Mein Name ist Parallax.“ Der Zwerg nickte freundlich, nahm sein Gepäck und machte sich auf den Weg ins Innere des Schiffes. Parallax sah wieder auf das Meer hinaus. Eine neue Welt wartete bereits auf ihn.
Ende
|