Ewiges Eis

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"Ewiges Eis" ist das vorerst letzte Kapitel meines Charakters Parallax und spielt nach den Geschichten Die Überfahrt und Die neue Welt

Viel Spaß beim lesen!


--Parallax 16:05, 23. März 2009 (CEST)



Ewiges Eis

Charaktere
Parallax
Kairinar
Ninaya
Parandorius
Baldur (NSC)

Prolog


Die Sturmgipfel

„Ein Sturm zieht auf. Es wäre besser wenn ihr hier bleiben würdet, alter Mann“, sprach Fjorlin, Anführer der Frosterben Zwerge von der Eisfestung auf den Sturmgipfeln. Der alte Mann ignorierte die Worte des Zwerges und sattelte seinen Drachen. Er warf dem Zwerg einige Goldstücke vor die Füße, zum Dank für die Überlassung des Proviants. Der Zwerg grummelte in seinen Bart und sah dem alten Mann und seinem Drachen hinterher, der sich in die Luft erhob und mit seinen Schwingen für noch kälteren Wind sorgte. Nach kurzer Zeit verschwand der Drache und sein Reiter im aufkeimendem Sturm. Der Zwerg hob die Goldstücke auf und verschanzte sich in der Eisfestung.

Der alte Mann flog in Richtung Nordosten. Der Sturm blies ihm einige Male heftigen Gegenwind ins Gesicht. Doch sein Ziel lag bereits direkt vor ihm. Eine kleine Höhle, weit entfernt von Siedlungen der Allianz und der Horde, diente ihm als Versteck. Der Drache landete an einer Tempelruine, die sich in der Nähe der Höhle befand. Der alte Mann stieg vom Drachen hinab und nahm seinen Proviant mit in die Höhle. Der Drache blieb in der Ruine zurück, in der er verborgen zwischen alten Gemäuern nicht zu erspähen war.

Der alte Mann entzündete eine Feuerstelle und verstaute seinen Proviant. Dieser würde noch für einige Wochen reichen.

Die Nacht brach herein. Es wurde kälter. Der alte Mann beschloss noch einmal hinaus zu gehen um etwas Feuerholz zu sammeln. Doch als er die Höhle verließ, stand bereits unerwünschter Besuch um ihn herum.

Einige Soldaten, unter ihnen Menschen, Zwerge und auch Elfen, versammelten sich um den alten Mann. Sie trugen Wappenröcke des Argentumkreuzzuges. Aber nicht alle von ihnen. Eine Blutelfe unter den Soldaten trug das Wams der Kirin Tor, jenen Magiern, die die Stadt Dalaran bewohnten. Der alte Mann erkannte die Blutelfe. Und auch einen Zwerg, der einen Wappenrock des Argentumkreuzzuges trug. Trotzdem beschloss er zunächst abzuwarten. „Verzeiht die Störung, Herr. Wir sind auf der Suche nach einem Zauberer, der sich hier in den Sturmgipfeln aufhalten soll“, sprach der Zwerg, der den Namen Baldur trug. Der alte Mann schüttelte seinen Kopf. Der Zwerg sah die Blutelfe, die das Wappen der Kirin Tor trug, mürrisch an. „Euer Zauber hat anscheinend nicht funktioniert, Kairinar.“ Die Blutelfe sah den alten Mann misstrauisch an. „Ich bin mir sicher, dass wir ihn hier finden!“ Der alte Mann zeigte auf Baldur und Kairinar und gab ihnen ein Zeichen zu folgen. Der Zwerg nickte. „Folgt mir, Freunde“, rief er seinen Begleitern zu. Doch der Alte Mann schüttelte den Kopf. „Nur ihr Zwei“ sagte er mit verzerrter Stimme. Der Zwerg sah ihn zunächst misstrauisch an. Doch dann nickte er ihm zu und bat seine Begleiter vor der Höhle zu warten. Der alte Mann nickte zufrieden und ging voran. Baldur und Kairinar folgten ihm in die Höhle.

„Setzt euch“, sprach der alte Mann und zeigte auf eine Feuerstelle in der Mitte der kleinen Höhle. Kairinar und Baldur setzten sich. „Also wisst ihr, wo wir den Zauberer finden können?“ fragte Baldur. „Ich glaube wir haben ihn bereits gefunden“ sagte Kairinar und lächelte den alten Mann an. Dieser nickte der Blutelfe zu. Baldur sah ungläubig in die Augen des alten Mannes. „Ihr...ihr seid Parallax?“ Dem Zwerg fiel dies schwer zu glauben. „Was ist mit dir geschehen? Verzeih wenn ich das so einfach heraus sage, aber...aber du bist alt und schwach geworden.“ Der alte Mann erhob sich und zeigte auf den Ausgang der Höhle. „Eine Täuschung, damit mich nicht jeder findet...scheinbar funktioniert sie nicht bei aufdringlichen Blutelfen.“ Kairinar grinste den Zauberer an. „Wir sind froh dich gefunden zu haben, Parallax“ sagte sie mit freundlicher Stimme. Baldur nickte. „Es war nicht einfach aber dank der Magie der Kirin Tor konnten wir dich aufspüren.“ „Bedenklich, da die Allianz mich ebenfalls sucht. Hoffentlich greifen sie nicht auch auf diese Magie zurück“ sagte Parallax und seufzte.

„Von den Streitern des Argentumkreuzzuges hast du nichts zu befürchten, mein Freund. Wir wissen was in Valgarde passiert ist. Wir waren dabei. Du wurdest in die Enge getrieben und hast dich verteidigt. Aber du stehst noch immer auf unserer Seite und kämpfst für das Gute. Oder hast du vergessen, dass wir ohne dich nicht mal nach Northrend gekommen wären?“ Kairinar lächelte den Zauberer abermals freundlich an. „Genau, du bist ein Held“ rief Baldur.

Parallax schüttelte den Kopf. „Ein Held?“ Er sah Baldur und Kairinar fragend an. „Ich dachte hier würde alles anders werden. Als ich Azeroth verließ, war ich gebrandmarkt. In Stormwind verachtet und auf der Flucht, schloss ich mich einem Bündnis an, um tatsächlich als Held in Northrend gefeiert zu werden. Ich dachte ich könnte mit meiner Magie gutes tun.“ Parallax seufzte. „Aber nun ist wieder alles wie zuvor. Der Allianz ist es gleichgültig, was ich für sie getan habe. In ihren Augen bin ich ein Ketzer, der mit dämonischer Magie hantiert. Sie haben keine Ahnung von Schattenmagie aber verurteilen mich dafür. Ich bin auf der Flucht. Ich verstecke mich vor ihnen. Ich bin alles, aber kein Held...“

Baldur seufzte und schaute Kairinar an. Diese ging zu Parallax herüber und legte eine Hand auf seine Schulter. „Manchmal erfordern es die Umstände, dass wir zu Helden werden, auch wenn wir es nicht wollen.“ Parallax erhob seinen Blick und sah Kairinar fragend an. „Ninaya sprach immer als Held von dir. Sie glaubte immer an dich. Genau wie wir alle. Auch wir verstanden deine Magie zunächst nicht. Aber als wir sahen, dass du damit Gutes tust, sahen wir alle einen Helden in dir.“ Parallax dachte sofort an die Draenei, als er ihren Namen hörte. „Wo ist sie?“ fragte er mit leiser Stimme. Kairinar sah Parallax traurig an. „Sie ist der Grund warum wir hier sind. Sie braucht dich. Ohne deine Hilfe finden wir sie nicht.“ Parallax sah die Blutelfe verwirrt an. „Was soll das heißen? Wo ist sie?“ fragte er energisch. „Ein Stützpunkt des Argentumkreuzzuges in Eiskrone wurde von der Geißel des Lichkönigs angegriffen. Alles ging ganz schnell. Die Streiter des Lichts wurden überrumpelt. Sie hatten keine Chance. Einige wenige konnten fliehen. Doch die anderen...“ Kairinar schwieg für einen kurzen Moment. „Ein Streiter des Lichts sah noch wie sie allesamt gefangen genommen worden bevor er floh. Es hieß, dass niemand umgebracht wurde. Wir gehen davon aus, dass sie der Lichkönig korrumpieren und sie zu seinen willenlosen Dienern machen will. Anderenfalls wären sie sicher auf der Stelle getötet worden.“ Kairinar seufzte. „Ninaya war unter ihnen.“ Parallax sah zunächst betrübt zu Boden. Dann sah er die Blutelfe ungläubig an. „Warum sollte ich sie aufspüren können? Woher soll grade ich wissen, wo der Lichkönig sie hinbringen ließ? Ich meine, ihr konntet mich doch auch mit der Magie der Kirin Tor finden. Könnt ihr sie nicht also auch finden?“

Kairinar schüttelte den Kopf. „Nun ja, dank der Magie der Kirin Tor konnten wir deinen Aufenthaltsort einschränken, aber wirklich gefunden haben wir dich aufgrund eines Hinweises einer Nachtelfe. Sie suchte unser Lager in Eiskrone auf und erkundigte sich nach Ninaya und sprach von dir. Es war für uns offensichtlich das sie dich kannte. Wir erzählten ihr was passiert war und baten sie uns zu dir zu führen. Und hier sind wir.“ Parallax schaute in das lodernde Feuer. „Sonaya Thoribas, eine alte Wegbegleiterin von mir. Sie fand mich hier in dieser Einöde und versorgte mich mit Verpflegung. Ich bat sie, sich nach Ninaya und euch zu erkundigen.“ Kairinar nickte. „Das hat sie. Dank ihr konnten wir dich finden.“ Parallax stand auf und die Illusion des alten Mannes erlosch. Er sah Kairinar ernst an. „Das erklärt noch immer nicht, wieso grade ich Ninaya aufspüren kann?“ „Du bist ein Hexenmeister, Parallax. Herr über die Schatten. Und Herr über Dämonen. Du kannst jeden Dämonen aufspüren den du willst. Nachdem du in Valgarde an den Pranger gestellt wurdest, und wusstest was auf dich zukommen würde, hast du Ninaya einen Wichtel zur Seite gestellt, der sie schützen sollte.“

Parallax schaute verwirrt. „Woher weißt du das?“ Die Blutelfe sah den Zauberer mit einem Lächeln an. „Ninaya erzählte es mir. Sie besuchte mich mehrmals in Dalaran. Und während ihren Besuchen sprach sie sehr oft von dir. Sie wollte dich finden und bat mich um Hilfe. Ich kam schließlich auf deine Spur, die in die Sturmgipfel führte. Doch erst nachdem die Streiter des Lichts in Eiskrone entführt worden sind, brachte Sonaya den entscheidenden Hinweis.“ Parallax setzte sich wieder. Er musste schwer schlucken. Doch dann erhob er sich und packte seine Ausrüstung. „Wir wissen zwar nicht, ob der Dämon noch bei ihr ist, aber es wird Zeit für mich zu handeln!“ Er ging mit entschlossenem Gesichtsausdruck in Richtung Höhlenausgang. „Warte, Parallax! Da ist noch etwas das du wissen solltest. Parandorius gehört ebenfalls zu den Entführten.“ Parallax’ Augen verdunkelten sich als er den Namen des Mannes hörte, der ihn in Valgarde verraten hatte. „Dieser Bastard...“ sagte er trocken und ging durch den Höhlenausgang. Die Streiter des Argentumkreuzzuges drehten sich zu Parallax um, als dieser mit einem Mal vor der Höhle stand. Baldur und Kairinar kamen hinzu. Der Zwerg ergriff das Wort. „Hört, Männer. Dies ist Parallax. Er ist ein Schattenzauberer und Herr über Dämonen. Die Soldaten der Allianz suchen nach ihm. Dabei kämpft er für das Gute. Ich weiß das ihr jetzt skeptisch seid. Das war ich auch anfangs, als ich merkte, dass er ein dunkler Zauberer ist. Doch ich täuschte mich. Meinen Freunden und mir hat er mehrmals das Leben gerettet. Und auch wenn ich seine Schattenkünste nicht verstehe, so verstehe ich seine Taten. Und seine Taten sind zum Wohle...“ „Haltet ein mein Freund,“ unterbrach Parallax den Zwerg. „Ich bin kein Held. Das werde ich nie sein. Doch zum Wohle meiner Freunde, werde ich das tun was nötig ist. Ihr habt vielleicht Angst vor mir. Doch ihr müsst mich nicht fürchten. Fürchten müssen mich jene, die dem Lichkönig dienen!“ Die Streiter des Lichts schauten den Hexenmeister zunächst skeptisch an. Doch dann erhoben sie ihre Waffen und nickten ihm zu. „Für das Licht!“ rief Baldur. Die Streiter des Argentumkreuzzuges sattelten ihre Greifen. Parallax rief seinen Drachen herbei. Kairinar lächelte Parallax freundlich an. „Ich wusste, dass du uns hilfst. Auch wenn du es abstreitest, du bist ein Held.“ Parallax schüttelte den Kopf. „Nein, nur ein Narr, der euch Streitern des Lichts zeigt, dass es ohne Schatten kein Licht gibt.“

Kairinar schüttelte den Kopf. „Sieh es von der anderen Seite. Dort wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht.“ Parallax seufzte. Doch dann nickte er Kairinar zu. Die Greifen der Streiter des Lichts machten sich auf den Weg nach Eiskrone. Unter ihnen war ein Schatten. Der Schatten eines Drachen, der von einem Hexenmeister abermals in die Schlacht geführt wurde.



Ewiges Eis

Eiskrone

Dunkelheit zeichnete das Land des Lichkönigs aus. Am Himmel leuchtete kein Stern. Kein Licht war zu entdecken. Am Boden gab es nur Eis und Schnee. Und Horden von untoten Dienern des Lichkönigs. Eisige Monstrositäten, sabbernde Ghule, wildernde Gargoyles, sechsbeinige Schreckensbestien und klappernde Skelettkrieger sammelten sich in den eisigen Weiten. Es schien immer dunkler um die Greifenreiter und den einen Drachen zu werden. Nur von einem kleinen Punkt strahlte ein Licht aus im Land des Untodes. Der Argentumkreuzzug hatte erfolgreich eine Bresche aufgeschlagen. Ein Lager war wie aus dem Nichts entstanden und verteidigte sich bereits seit mehreren Wochen erfolgreich gegen die immer wieder attackierenden Geißelarmeen. Dies war das Ziel der Streiter des Lichts. Klingen sollten gewetzt, Schilde verstärkt und Kraft getankt werden, bevor sie sich auf den Weg zu dem zerstörten Lager in Mord’rethar machten, an dem die Geißelarmeen über ihre Brüder und Schwestern herfielen und sie in ihre finsteren Bastionen verschleppten. Parallax hoffte, dass Ninaya noch nichts angetan wurde. Aber er wusste auch, dass mit jeder verstrichenen Sekunde ihre Chancen schwanden. Deshalb drang er seine neuen Verbündeten vom Argentumkreuzzug zu einem schnellen Aufbrechen.

Nachdem die Streiter des Lichts bereit waren, sattelten sie ihre Greifen und machten sich wild entschlossen auf den Weg nach Nordwesten zum zerstörten Lager. Der Lichkönig rechnete wohl mit einem Vergeltungsschlag seitens des Argentumkreuzzuges, denn die untoten Bestien der Geißel rüsteten ihre Truppen in Mord’rethar stark auf. Kairinar sah Baldur verunsichert an. „Es sind verdammt viele. Ich weiß nicht ob das gut geht. Ich denke wir brauchen Verstärkung.“ Baldur schienen diese Worte nur anzustacheln. „Wir sind auf uns gestellt. Die anderen Kreuzzügler haben genug mit der Verteidigung des Ostlagers zu tun. Mach dir keine Gedanken, Kairinar! Wir schaffen es. Das Licht ist auf unserer Seite.“

Parallax sah Baldur an. „Ständig sprichst du vom Licht auf deiner Seite. Du hörst dich ja schon an wie ein Paladin.“ Baldur lächelte. „Mag sein, was aber nicht bedeutet, dass ich mit meiner Axt nicht mehr umgehen kann! Streiter des Lichts, macht euch zum Angriff bereit! Wir greifen an!“ Gesagt getan. Die Greifen der Kreuzzügler flogen tiefer über das Lager und ihre Reiter stürzten sich auf die Geißelarmeen. Mensch gegen Ghul. Zwerg gegen Skelett, Draenei gegen Monstrosität. Ein wilder Kampf entbrannte. Parallax stieg von seinem Drachen und beschwor eine seiner mächtigsten Dämonenkreaturen, die Höllenbestie Inferno. Für viele Hexenmeister galt sie stets als unkontrollierbar. Das letzte Mal, dass Parallax sie beschwor, lag viele Jahre zurück. Und so stürzte sich die Höllenbestie völlig unkontrolliert auf die kämpfenden Soldaten und machte keinen Unterschied zwischen Sterblichen oder Untoten. Dies war das erste Mal seit seinen Jahren als Jünger des Schattens, dass ein von ihm beschworener Dämon nicht unter seiner Kontrolle stand. Doch Parallax hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Skelettkrieger umstellten ihn und versuchten ihn mit ihren Schwertern niederzuschlagen. Dem Hexenmeister gelang es grade noch auszuweichen und eine Schattenblitzsalve abzufeuern.

Die Streiter des Lichts standen einer Übermacht an Geißelkriegern gegenüber. So beschloss Parallax trotz der unkontrollierten Höllenbestie eine weitere Kreatur aus dem Reich der Dämonen herauf zu beschwören. Der Leerwandler Makjuk tauchte aus einer Schattenwolke auf und zog sogleich die Aufmerksamkeit der Geißelkrieger auf sich. Parallax hatte Makjuk schon oft beschworen. Somit war es ein leichtes ihn zu kontrollieren. Der Leerwandler war ein treuer Diener des Hexenmeisters. Und so leistete er ihm auch nun im Kampf gegen die Schergen des Lichkönigs gute Dienste. Einigen Paladinen von den Streitern des Lichts war es gelungen, den Boden des Kampfschauplatzes mit ihrer Heiligmagie zu weihen. Dies verschaffte dem Argentumkreuzzug einen weiteren Vorteil. Der geweihte Boden ließ eine große Anzahl der Untoten verbrennen. Und auch der Höllenbestie machte die Heiligmagie schwer zu schaffen. Kairinar gab ihr mit einer Frostblitzattacke schließlich den Rest, was die Höllenbestie zusammenfallen ließ.

Nach einem wilden Kampf war die Schlacht gewonnen. Die Streiter des Lichts bezogen im Mord’rethar Lager ihre Stellung. Es würde nicht lange dauern bis der Lichkönig weitere untote Diener seiner Geißelarmee zum Gegenangriff mobilisieren würde. Parallax verlor keine Zeit und versuchte sofort eine Spur zu finden, die ihn und seine Verbündeten zu den Gefangenen führen würde. Er beschwor das Auge von Kilrogg, was von Laien auch als allsehendes Auge bezeichnet wurde, um seinen Wichteldämon und somit auch Ninaya aufzuspüren. „Malykriss“ sagte Parallax mit einem Mal. „Das ist unser Ziel!“ „Malykriss?“ fragte Baldur. „Das ist ganz in der Nähe. Direkt unter uns im Südwesten.“ Parallax sah in die Ferne. „Dann lasst uns sofort aufbrechen!“

Ein schriller Schrei schreckte die Streiter des Argentumkreuzzuges auf. Baldur sah sich um. „Was zur Hölle ist das?“ Der Zwerg zeigte gen Himmel. Eine unheimliche Kreatur flog auf ihn und seine Kameraden zu. Ein riesiger Skelettdrache, den die Kreuzzügler auch als Frostwyrm bezeichneten, attackierte das Lager und versetzte mit einem eisigen Lufthauch gleich mehrere Streiter des Lichts in eine Schockstarre. Der Skelettdrache drehte ab, aber nur um erneut einen Angriff zu starten. Einige der Greifenreiter versuchten sich an einem Gegenangriff. Doch der Skelettdrache flog durch die Greifenreiter hindurch als wären sie Luft und zerschnitt dabei ihre Körper. Ein schreckliches Bild bot sich den am Boden kauernden Kreuzzüglern. „Schnell Kairinar, ich brauche deine Hilfe“ sagte Parallax und streckte der Blutelfe seine Hand aus. Kairinar hielt sich an der Hand des Hexenmeisters fest und wurde von ihm mit auf seinen Drachen gehoben. „Halt dich gut fest“ sagte Parallax. Dann erhob sich sein Drache und schien eine erneute Attacke des Frostwyrms abzuwarten. „Wenn ich dir das Zeichen gebe, schießt du deine mächtigsten Feuerzauber auf das Monster!“ sagte der Hexenmeister. Kairinar nickte ihm zu. Der Skelettdrache setzte erneut zum Angriff auf die übrigen Streiter des Lichts an. „Jetzt!“ rief Parallax und schleuderte selbst einige seiner Feuerzauber auf den Skelettdrachen. Kairinar tat es ihm gleich und begann mit ihren mächtigsten Feuerzaubern den Hexenmeister zu unterstützen. Der Frostwyrm fing Feuer und ließ wieder einen seiner schrillen Schreie los. Die Feuerzauber hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Skelettdrache stand nun in Flammen und stürzte auf das Lager hinab, wobei er auch einige der Kreuzzügler unter sich begrub.

Der Hexenmeister landete mit seinem Drachen im Lager und machte sich gleich mit Kairinar daran, nach Überlebenden zu schauen. Kairinar schluckte schwer. „BALDUR!“ rief sie entsetzt. Parallax drehte sich zu ihr um. Einige Streiter des Lichts waren in dickem Eis eingeschmolzen. Unter ihnen auch der Zwerg Baldur, der in der Sekunde seines Ablebens dennoch ein Lächeln aufgesetzt hatte. So kannten ihn seine Freunde. Und so wollte er in Erinnerung bleiben.

Kairinar fiel schluchzend in die Arme des Hexenmeisters. Parallax schaute apathisch in die Ferne. Einige Wenige Streiter des Lichts versammelten sich um die beiden Zauberer. „Auf nach Malykriss“ sagte einer von ihnen. Der Wille der Argentumsoldaten war nicht gebrochen. Obwohl ihre Anzahl auf eine Handvoll weniger Paladine und Priester reduziert worden war, wollten sie nicht aufgeben und ihre Brüder und Schwestern aus den Klauen des Lichkönigs befreien. Parallax nickte den Streitern des Lichts zu und sah seinen treuen Kameraden Baldur noch einmal an. Zorn machte sich in ihm breit.

Nur wenige Greifen hatten den Angriff des Skelettdrachen überlebt. Die Soldaten des Kreuzzuges mussten sich somit mehrere Greifen teilen. Kairinar stieg wieder zu Parallax auf seinen bronzenen Drachen.

Die unheilvolle Festung Malykriss war schnell erreicht. Sie lag direkt vor der Eiskronenzitadelle, in der sich laut Gerüchten der Lichkönig befinden sollte. Eine riesige Streitmacht der Geißel schien sich vor der Festung zu sammeln. Parallax dirigierte seine Begleiter über ein großes Tor zum Hof der Festung, anscheinend von den Geißelarmeen unbemerkt. Im Hof arbeiteten zahlreiche Skelettdiener an Hochöfen und Seuchenkesseln. Was genau sie da taten, konnte sich keinem der Streiter des Lichts erschließen. An der Westseite befand sich eine große Treppe, die zu einer Art Kathedrale führte. Einige Todesritter und Schattenzauberer des Kults der Verdammten waren aus der Luft zu erspähen. Das Tor zur Kathedrale öffnete sich und einige angekettete Sklaven wurden streng bewacht in den Hof geführt. „Das sind unsere Leute! Sie werden sie töten!“ rief einer der Greifenreiter. Ein Todesritter, der Erscheinung nach ein Anführer, baute sich vor den angeketteten Kreuzzüglern auf. Er zeigte auf einen der Sklaven, woraufhin einer seiner Skelettdiener diesen mit seiner Klinge niederstreckte. „NEEEIN!“ rief einer der Greifenreiter und setzte sich in Bewegung. „Halt, bleib hier“ rief ihm Kairinar noch hinterher. Doch der Greifenreiter der Kreuzzügler flog direkt auf den Todesritter zu. Dieser erspähte ihn und zog seine Runenklinge, eine seelenverschlingende Waffe, die ihrem Träger zwar viel Macht gewährte, im Gegenzug dessen ihn jedoch verfluchte und seine Seele raubte. Jeder Todesritter hielt eine solche Klinge, geschmiedet in den finstersten Runenschmieden und unter dem Auge des Lichkönigs im eisigen Eiskrone, in seinen untoten Händen. Auch jener Todesritter, der nun den anstürmenden Greifenreiter mit seiner Runenklinge niederstreckte und am Himmel die anderen Greifenreiter und den Drachen des Hexenmeisters erspähte.

„Sie haben uns entdeckt. Wenn wir jetzt fliehen, sind unsere Freunde verloren. Uns bleibt keine Wahl“ sagte Parallax mit leiser Stimme. Kairinar sah ihn irritiert an. Der Hexenmeister sah in die Augen seiner Mitstreiter. Die Streiter des Lichts nickten ihm respektvoll zu. „Zum Angriff!“ rief Parallax und flog voran, direkt auf den Todesritter zu. Dieser erhob seine Klinge und wartete nur auf den heranstürmenden Drachen. Die Runenklinge durchbohrte den Bauch des bronzenen Begleiter des Hexenmeisters. Parallax und Kairinar fielen vom Drachen hinunter und sahen sich dem Todesritter und seinen Dienern hilflos ausgesetzt. Wohlwissend, dass er gleich seinen letzten Atemzug vollziehen würde, schlug der bronzene Drache mit seinen Pranken den nichtsahnenden Todesritter in Stücke. Dann schaute er herüber zu seinem Reiter. Er schaute Parallax noch einmal in die Augen und machte seinen letzten Atemzug. Der Zorn des Hexenmeisters wuchs abermals.

Die Greifenreiter der Kreuzzügler verwickelten die Diener des Lichkönigs in einen wilden Kampf und versuchten die angeketteten Sklaven zu befreien. Parallax und Kairinar unterstützen sie mit ihren Zaubern. Gemeinsam kämpften sie sich die große Treppe zur Kathedrale hinauf, dessen Tor noch immer offen stand. Doch der Weg hinein wurde von herausstürmenden Todesrittern des Lichkönigs blockiert. Die Soldaten des Kreuzzuges verwickelten die Todesritter sofort in einen Kampf. Aber die Übermacht der Geißel war zu groß. Immer mehr Streiter des Lichts fielen den Runenklingen der Todesritter zum Opfer. Parallax und Kairinar hielten die Untoten mit Feuerzaubern auf Distanz. Erst als der letzte Kreuzzügler gefallen war, erkannten sie ihre aussichtslose Lage. Die Todesritter kreisten die beiden Zauberer ein und zogen ihre Klingen. Die Stunde des Todes schien nun auch für sie gekommen zu sein.

„Halt“ rief eine düstere, verzerrte Stimme, die jeden Untoten innehalten ließ. Die furchterregende Rüstung des Wesens, dem die unheimliche Stimme gehörte, schritt mit einer düsteren Aura die große Treppe hinab. Der Lichkönig war aus dem Tor geschritten und offenbarte sich nun den Augen des Hexenmeisters. Ein seltsames Gefühl zwischen Faszination und Hass umgab Parallax. Kairinar kauerte verwundert am eisigen Boden und sah den Lichkönig erschrocken an. Dieser zeigte auf den Hexenmeister. „Ich spüre den Zorn in dir. Du wirst ein guter Diener sein!“ Parallax sah den Lichkönig verbittert an. „Ich diene niemandem! Du Monster wirst meinen Zorn spüren und für deine Taten bezahlen!“

Der Lichkönig schien von den Worten des Hexenmeisters eher belustig als erzürnt zu sein und baute sich direkt vor Parallax auf. „So kommt, junger Held. Stellt euch in all eurer Größe und Macht.“ Parallax nahm seinen Stab und versuchte den düsteren Anführer der Geißel damit zu treffen. Der Lichkönig zog eine geheimnisvolle Klinge, von der eine noch düstere Aura ausging, als von den Runenklingen der Todesritter. Als der Stab auf die Klinge traf, zersplitterte er. Parallax wurde von der Wucht der Klinge nach hinten geschleudert. Der Lichkönig sah von oben auf den bewusstlosen Hexenmeister herab. „Wenn die Stunde des Schicksals schlägt, dienen alle dem einen, wahren König!“

Kairinar sah den am Boden liegenden Hexenmeister an. Doch grade als sie ihm helfen wollte, wurde ihr Schwarz vor Augen. Die Stunde des Schicksals hatte geschlagen.

Langsam kam Kairinar zu sich. Ihr Schädel brummte etwas, doch sie konnte keine ernsteren Verletzungen an sich feststellen. Sie sah sich um. Sie war eingeschlossen in einer größeren Zelle. Blut klebte am Boden und an der Wand. Es war noch frisch. „He ihr da, geht es euch gut?“ fragte eine Stimme. Kairinar kannte die Stimme und sah zur gegenüberliegenden Zelle. „Ninaya!“ rief sie erleichtert. „Kairinar? Wie seid ihr denn hier her gekommen?“ fragte Ninaya mit besorgtem Gesichtsausdruck. Doch gleichzeitig lächelte sie und war froh die Blutelfe zu sehen. „Wir haben versucht euch zu retten. Doch es ging alles schief.“ Kairinar sah traurig zu Boden. „Wir?“ fragte Ninaya. Kairinar nickte ihr zu. „Ja, die Streiter des Lichts, Baldur und Parallax.“ Ninaya lächelte wieder. „Parallax ist hier? Und Baldur auch? Wo sind sie?“ Kairinar vergoss eine Träne. „Baldur und die Streiter des Lichts sind alle tot. Bei Parallax bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube der Lichkönig hat ihn auch umgebracht.“ Ninaya sah Kairinar entsetzt an. „Nein! Nein, das darf nicht sein! Wie konnte das passieren?“ fragte die Draenei unter Tränen. Kairinar erzählte Ninaya was sie durchgemacht hatte. Vom Ableben Baldur’s und den Streitern des Lichts. Vom Tode des Drachens des Hexenmeisters und, so vermutete sie, vom Tode des Reiters des Drachens selbst. „Ich wollte ihm grade helfen, da wurde ich niedergeschlagen.“

Ninaya versuchte die Fassung zu bewahren, was ihr deutlich schwer viel. „Wo sind die anderen Gefangenen?“ fragte Kairinar. „Die Todesritter nahmen einen nach dem anderen mit. Ich konnte sehen, wie sie einige töteten. Andere wurden gefoltert und zu Sklaven gemacht. Und wieder andere wurden korrumpiert und zu Dienern des Lichkönigs gemacht.“ Kairinar sah betrübt zu Ninaya. Sie erblickte ein zerbrochenes goldenes Schwert in ihrer Zelle. „Ist das nicht das Schwert von Parandorius?“ fragte sie die Draenei. Ninaya nickte ihr zu. „Ja, einer der Todesritter zerbrach es vor seinen Augen und nahm ihn mit. Ich schätze er ist ebenfalls korrumpiert worden.“ Kairinar seufzte. „Dann müssen wir uns wohl auf uns selbst verlassen, wenn wir hier rauswollen.“ Ninaya sah ungläubig zur Blutelfe herüber. „Wie soll das gehen? Wir sitzen hier fest. Ich schätze es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die untoten Diener des Lichkönigs uns ebenfalls holen werden.“

Kairinar schüttelte ihren Kopf. „Verlier nicht deinen Glauben, Ninaya. Es muss einen Weg hier raus geben! Was ist mit dem Dämon, den Parallax dir zur Seite gestellt hat? Vielleicht kann er uns hier raus helfen.“ Ninaya sah sich um. „Ich wüsste nicht wie. Ich sehe ihn nie. Und kontrollieren kann ich ihn auch nicht. Er tut nur das, was Parallax ihm anscheinend befohlen hat. Er wacht über mich.“ Kairinar seufzte.

In der Nähe war das quietschen eines sich öffnenden Tores zu hören. Ein Geißeldiener brachte einen Gefangenen zurück in seine Zelle. „Parandorius! Geht es euch gut?“ fragte Ninaya, die den Paladin entsetzt ansah. Der Paladin sank geschwächt auf seine Knie als der Geißeldiener seine Ketten öffnete. Ohne ein Wort zu verlieren, verließ der Untote die Zelle. Das quietschende Tor wurde wieder verschlossen. Parandorius sah zu Ninaya auf. „Bis auf ein paar Verletzungen geht es mir bestens. Diese Bastarde werden meinen Willen nicht brechen!“ Ninaya sah dem Paladin in seine Augen. „Was ist mit euch geschehen, Parandorius? Eure Augen sehen so merkwürdig aus.“

Parandorius sah zu Boden. „Meine Augen sahen schreckliche Dinge. Unsere Kameraden vom Kreuzzug wurden gefoltert. Die Schwachen wurden getötet und die anderen hat man korrumpiert. Sie sind nun Diener des Lichkönigs. Und auch ich wurde gefoltert und gebrandmarkt.“ „Und man hat euch einfach gehen lassen?“ rief Kairinar dem Paladin misstrauisch entgegen. Parandorius sah zu der Blutelfe herüber. „Kairinar? Ihr seid auch hier?“ „Sie haben versucht uns zu retten“ sagte Ninaya. „Sie?“ fragte Parandorius. „Die Streiter des Argentumkreuzzuges, Baldur und Parallax.“ Parandorius sah Ninaya ungläubig an. „Der Hexenmeister ist auch hier?“ Ninaya nickte. „Aber leider schlug ihre Rettungsaktion fehl.“ Parandorius setzte sich auf und sah nachdenklich zu Boden. „Das erklärt warum ich so viele Sklaven am anderen Ende des Ganges gesehen habe. Ich dachte meine müden Augen würden mich täuschen. Aber das müssen unsere Kameraden gewesen sein.“ Kairinar sah den Paladin verwirrt an. „Das...das ist doch nicht möglich. Ich war dabei, als sie alle von den Dienern des Lichkönigs getötet wurden.“

„Glaubt mir, Kairinar. Meine Augen mögen müde sein, doch ich weiß was ich gesehen habe. Wenn wir irgendwie aus dieser verdammten Zelle ausbrechen könnten und unsere Kameraden befreien, vielleicht hätten wir dann eine Chance zu fliehen.“ „Und wie sollen wir das anstellen?“ fragte Kairinar seufzend. Parandorius sah sich in der Zelle um und bemerkte sein zerbrochenes Schwert. Er nahm den Griff des Schwertes an sich und versuchte mit er abgebrochenen Seite das Schloss des Zellengitters zu knacken.

„Wirklich eine tolle Idee. Und bestimmt wisst ihr auch, wie wir an den untoten Wachen vorbeikommen sollen, falls ihr es tatsächlich schafft das Schloss zu knacken.“ Kairinar sah den Paladin mürrisch an. Ihre Abneigung gegen Parandorius war deutlich zu spüren. „Wenn ich mich recht erinnere, seid ihr eine Magierin. Mit der Unterstützung einer Schamanin und meiner Heiligmagie, sollte das gehen.“ Kairinar runzelte die Stirn. „Er hat recht, Kairinar. Wir sollten positiv denken, auch wenn uns das Schicksal übel mitgespielt hat. Anderenfalls kommen wir hier nie raus“ sagte Ninaya. Kairinar nickte ihr zu. Doch dann rutschte der Griff des zerbrochenen Schwertes ab und landete in der Mitte des Raumes, für Parandorius unerreichbar. „Verdammt!“ rief er. Kairinar seufzte. Dann sah sie Parandorius an und grinste. „Nun gut, ihr solltet mich die Zelle öffnen lassen. Seid ihr bereit zur Flucht?“ fragte sie. Ninaya und Parandorius sahen die Blutelfe ungläubig an. „Und wie wollt ihr das anstellen?“ fragte Parandorius. Kairinar versuchte einen Feuerzauber auf das Schloss zu wirken. Doch ihre magischen Fähigkeiten schienen durch eine merkwürdige Aura verhindert zu sein. „Mist, ich kann keine Zauber wirken.“ Kairinar seufzte. Parandorius seufzte ebenfalls und ließ sich auf den kalten Boden fallen. „Es ist hoffnungslos“ sagte er.

Ninaya sah die Blutelfe an. „Hier in der Zelle funktionieren unsere Fähigkeiten nicht. Sie scheint magieversiegelt zu sein.“ Kairinar seufzte abermals. Ninaya schaute betrübt zu Boden. Doch dann erblickte sie die spitze Seite des zerbrochenen Schwertes. „Das ist es!“ sagte sie und nahm die Schwerthälfte an sich. „Hier, Parandorius. Geht damit auf mich los“ sagte sie. Parandorius sah Ninaya verwirrt an. „Seid ihr von Sinnen?“ fragte er. „Vertraut mir! Nun macht schon!“ Parandorius schaute noch immer verwirrt. Doch er befolgte Ninaya’s Anweisungen und versuchte die spitze Seite des Schwertes in Ninaya’s Bauch zu rammen. Der Plan der Schamanin ging auf. Der Wichteldämon kam aus seiner phasenverschobenen Welt und attackierte Parandorius. „Argh, was ist das denn?“ rief der Paladin und versuchte den Dämon von sich abzuschütteln. Ninaya packte sich den Dämon schließlich und hielt ihm am Nacken fest. „Wo kommt der auf einmal her?“ fragte Parandorius und sah den Wichtel grimmig an. „Das ist jetzt nebensächlich. Aber mit seiner Hilfe kommen wir hier vielleicht raus.“ „Und wie?“ fragte Kairinar.

Wieder öffnete sich das Tor in der Nähe. Ein Todesritter betrat den Raum. Ninaya versuchte den Wichtel hinter ihrem Rücken zu verstecken. Wortlos öffnete der Todesritter das Zellenschloss und packte sich Parandorius. „Die Stunde eures Todes rückt näher, Paladin“ sprach der Todesritter mit düsterer Stimme und schlug Parandorius zu Boden. Dann sah der Todesritter zu Ninaya herüber und ging langsam auf sie zu. „Was versteckt ihr da?“ fragte er zornig. Doch als er die Draenei packen wollte, hielt sie den Wichtel zum Schutz vor sich. Der Dämon schoss einen Feuerblitz direkt in die Augen des Todesritters, der sich schmerzverzerrt das Gesicht hielt. Parandorius nutzte die Situation und stürzte sich auf den geblendeten Todesritter. Dieser stürzte zwar heftig gegen die Zellenmauern, schien durch seine Rüstung jedoch geschützt. Da der Paladin noch immer geschwächt war, konnte der Todesritter im entstehenden Gerangel die Oberhand gewinnen und drückte Parandorius zu Boden. Er schnürte ihm die Luft zu. Parandorius drohte zu ersticken. Ninaya nahm die Spitze des zerbrochenen Schwertes und rammte sie in den Rücken des Todesritters. Dieser wurde zunehmend schwächer und Parandorius konnte sich aus seinem Griff befreien. Der Todesritter lag regungslos am Boden. Ninaya half dem Paladin auf die Beine. Die Zellentür und das Tor standen noch immer offen. Keine Wache schien etwas bemerkt zu haben. „So hatte ich das zwar nicht geplant, aber dies ist unsere Chance zu verschwinden“ sagte Ninaya. „Schnell holt mich hier raus“ rief Kairinar. Ninaya versuchte das Zellengitter zu öffnen, doch alle Versuche schlugen fehl. „Es ist zu stabil“ sagte Ninaya seufzend.

Parandorius schaute sich unterdessen auf dem Gang um. Keine Wache war zu sehen. Am östlichen Ende des Ganges war ein großes Tor zu sehen. Dahinter waren seiner Vermutung nach die Überlebenden der Streiter des Argentumkreuzzuges gefangen. Am westlichen Ende befand sich ein Aufgang, der anscheinend nach Draußen führte. Licht fiel von dort aus in den Gang ein. Ninaya machte sich derweil noch immer vergeblich am Schloss zu Kairinar’s Zelle zu schaffen. „Versuch den Wichtel zur Hilfe zu nehmen. Vielleicht kann er das Schloss mit seinen Feuerblitzen zum schmelzen bringen“ sagte Kairinar. Ninaya nickte ihr zu und sah sich nach dem Wichtel um. Doch dieser schien wieder in der phasenverschobenen Welt verschwunden zu sein.

Parandorius entdeckte derweil einen kleinen Raum im Gang, der ebenfalls unbewacht war. Vorsichtig öffnete er die Tür und fand sich in einem Lagerraum wieder. Magische Reagenzien und Relikte schienen hier aufbewahrt zu werden. Der Paladin nahm einen merkwürdig schimmernden, robusten Stein an sich und ging zurück zu Kairinar’s Zelle. Ohne zu zögern schlug er mit dem Stein auf das Schloss der Zelle ein. Und tatsächlich schaffte es der Paladin das Schloss damit zu zerstören und die Zellentür zu öffnen. Kairinar fiel Ninaya sichtlich erleichtert in die Arme. „Kommt, wir haben keine Zeit. Wir müssen die anderen Gefangenen befreien und von hier verschwinden!“ rief Parandorius. Kairinar bemerkte nun die merkwürdige Aura des robusten Steins. „Wo habt ihr den her?“ fragte sie den Paladin. „Aus einem Raum gegenüber. Dort lagen jede Menge komischer Relikte.“ Kairinar schüttelte ihren Kopf. „Das sind Reagenzien für Zauberei. Führt mich hin, möglicherweise finden wir dort etwas nützliches.“ Die Drei verließen die Zelle und sahen sich im Lagerraum nach nützlichen Gegenständen um. Kairinar entdeckte schließlich eine Rune. „Das ist es. Unser Weg nach Draußen.“ Ninaya sah die Blutelfe ungläubig an. „Mit dieser Rune kann ich ein Portal beschwören, dass uns nach Dalaran bringt.“ Ninaya und Kairinar lächelten sich an. „Dann beeilen wir uns und befreien unsere Kameraden. Sie sind gleich am Ende des Ganges“ sagte Parandorius. Die Blutelfe und die Draenei nickten ihm zu. Dann gingen sie den Gang hinunter zum östlichen Ende. „Wartet!“ rief Parandorius. „Das Tor steht offen. Eben war es noch zu.“ Parandorius versuchte vorsichtig in den Raum hinter dem Tor zu sehen. Ihm eröffnete sich ein schauriges Bild. „Parallax!“ schrie er zornig. Der Hexenmeister stand in der Tat lebendig in dem Raum und wandte sich dem Paladin zu, als dieser seinen Namen rief. Ein großes Feuer loderte hinter dem Hexenmeister und ein übelriechender Gestank zog sich quer durch den Raum. Kairinar und Ninaya betraten nun ebenfalls den Raum und waren sichtlich froh, den Hexenmeister bei guter Gesundheit zu sehen. „Parallax, du lebst“ sagte Ninaya erleichtert. Doch als sie auf den Hexenmeister zulaufen wollte, um ihn zu umarmen, hielt Parandorius sie davon ab. „Vorsicht! Etwas stimmt hier nicht“ sagte Parandorius. Er zeigte auf das lodernde Feuer, indem bei näherer Betrachtung menschliche Körperteile zu verbrennen schienen. „Was ist hier passiert?“ fragte der Paladin energisch. Der Hexenmeister drehte sich wortlos zu dem hinter ihm lodernden Feuer um. „Ich musste sie erlösen“ sagte Parallax mit seiner gewohnt leisen, verzerrten Stimme. „Ihr habt sie alle umgebracht? Ihr Monster! Dafür werdet ihr bezahlen!“ Der Paladin wollte auf Parallax losgehen, doch Ninaya hielt ihn fest. „Ihr versteht wieder alles falsch, Parandorius. Das waren nicht mehr unsere Kameraden. Der Lichkönig hat sie zu seinen Dienern gemacht.“ Ninaya wandte sich nun dem Hexenmeister zu. „War es nicht so, Parallax? Du hast sie erlöst, weil sie dich angegriffen haben?“ Ninaya sah den Hexenmeister fragend an. Dieser nickte ihr wortlos zu.

„Wir sollten hier schleunigst weg, Freunde. Am westlichen Ende des Ganges sah ich Licht. Wenn dort ein Balkon oder so etwas ist, kann ich dort bestimmt ein Portal heraufbeschwören, was uns in die Freiheit bringt.“ Ninaya nickte Kairinar zu. „Kommt“ sagte sie zu dem Paladin und dem Hexenmeister. Kairinar ging voran und tatsächlich befand sich am Ende des Aufgangs eine Plattform, von der Späher der Geißel wohl die nähere Umgebung überblickten. Doch nirgends war ein Späher zu sehen. Kairinar begann mit der Beschwörung des Portals. Ninaya sah dem Treiben gespannt zu. „Ich hoffe es funktioniert und wir kommen endlich hier raus.“ Ninaya war bisher davon ausgegangen, dass Parandorius und Parallax ihr gefolgt waren. Doch als sie sich umdrehte, bemerkte sie ihr fehlen. „Parallax?“ fragte sie in den schattenhaften Gang hinein.

Parandorius ging nun erst den Aufgang hinauf. Als er die erste Treppenstufe grade genommen hatte, durchzuckte es ihn plötzlich und er ließ einen schmerzhaften Schrei los. Ninaya traute ihren Augen nicht. Die Klinge eines dunkelschimmernden Schwertes schoss aus seinem Bauch. Blut spritzte auf die Treppe hinab. Die Klinge verschwand so schnell aus dem Bauch, wie sie in ihn eingedrungen war. Parandorius sank zunächst auf die Knie. Dann fiel er leblos nach Vorne um.

Als sie erkannte, wer dem Paladin das Leben nahm, sah sie entsetzt in das Gesicht seines Mörders. Parallax hatte Parandorius die Klinge in den Bauch gestoßen und hielt sie nun fest in seiner rechten Hand. „Nein! Nein! Was hast du getan?“ schrie Ninaya den Hexenmeister an.

Dieser richtete seinen Blick nun auf die Draenei. Ninaya stand völlig lethargisch und unfähig zu handeln da. Der Hexenmeister kam mit langsamen Schritten auf sie zu. „Die Beschwörung ist vollbracht! Wir können...“ Kairinar stoppte ihre Worte abrupt, als sie den toten Parandorius am Boden liegen sah und der Hexenmeister mit der blutverschmierten Klinge nun auf Ninaya zuging. Kairinar eilte zu der Draenei und nahm sie an die Hand. „Schnell durchs Portal!“ rief sie ihr energisch zu. Das Portal war direkt vor ihnen. Doch bevor sie hindurchschritten, sahen die beiden Frauen noch einmal zurück. Parallax lief noch immer mit langsamen Schritten auf sie zu. „Warte, Kairinar. Er will uns nicht töten. Er hat nur an seinem Verräter Rache genommen. Er wird uns nichts tun.“ Die Blutelfe sah Ninaya ungläubig an. „Das glaubst du nicht wirklich, oder? Wach auf, Ninaya. Parallax ist offensichtlich von der Geißel korrumpiert worden.“ „Nein! Das darf nicht sein.“ Tränen überströmt versuchte Ninaya sich von Kairinar loszureißen und zu Parallax zu laufen, der immer näher auf sie zukam. Doch Kairinar hielt Ninaya’s Arme fest und schritt mit ihr durch die Öffnung des Portals, dass sich gleich nach ihrem Durchgehen vor den Augen des Hexenmeisters schloss.


Epilog


Dalaran

Kairinar und Ninaya standen im großen Garten der Magierhauptstadt der Kirin Tor. Die Blutelfe trug ein edles Seidengewand mit roten Schleifen. Die Draenei hatte eine weiße Robe aus Mondstoff an. Kairinar hielt einen Blumenstrauß mit überwiegend weißen Blüten in ihren Händen. Sie legte den Blumenstrauß vor ein Denkmal, das für die Opfer errichtet wurde, die im Kampf gegen die Geißel ihr Leben ließen. Auf dem Denkmal zog ein Paladin seine Klinge und hielt sie als Zeichen der Tapferkeit in die Luft. Ninaya hielt einen Rosenstrauß ihn ihren Händen. Mehrere rote kreisten eine schwarze Rose ein. Sie legte den Blumenstrauß vor das Denkmal. Kairinar hielt Ninaya an der Hand. Beide vergaßen eine Träne.


Eiskrone

Auf einem Altar in der Kathedrale der Dunkelheit baute sich der Lichkönig vor seinen Anhängern auf und sprach zu einem seiner Diener, der ehrfürchtig vor ihm kniete. Seine Worte waren düster und sogleich energisch. „Alles was ich bin: Zorn, Grausamkeit, Rache, verleihe ich euch, mein erwählter Ritter. Ich schenke euch Unsterblichkeit, auf das ihr ein neues dunkles Zeitalter der Geißel einläutet. Ihr werdet zu meiner Vergeltung. Auf euren Schritt folgt die Verderbnis. Geht nun und folgt eurer Bestimmung, Todesritter!“ Der Todesritter erhob sich und nickte seinem König ehrfürchtig zu. Er selbst erinnerte sich nicht, dass er bevor er von den Toten auferstanden ist, ein Leben als Paladin führte. Er erinnerte sich nur an seinen Namen, Parandorius.

Der Lichkönig wandte sich nun einem anderen Diener zu. Auch dieser sank ehrfürchtig vor dem Lichkönig auf die Knie. „Auch ihr steht für all das was ich bin. Ihr strotzt vor Zorn, verbreitet Verderbnis und nahmt meinen Feinden eine ihrer mächtigsten Waffen, die Hoffnung. Ihr habt bewiesen, dass ihr ein mächtiger Diener seid.“ Der Diener erhob sich und verbeugte sich ehrfürchtig vor seinem König. „Ihr erfüllt mich mit Stolz, Meister!“

Der Lichkönig sah in die Ferne. Hinter ihm stand sein Diener, Parallax der Hexenmeister. Der Himmel über Eiskrone schien noch dunkler zu werden, als er es seit jeher war.


Ende