Blut und Familie - Iolanas Geschichte

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Blut und Familie - Iolanas Geschichte ist eine Kurzgeschichte um die jungen Jahre der Piesterin Iolana. Sie soll ein bisschen Einblick in den Charakter bringen und um Sachen die sie so niemals erzäheln würde.

Es war ein ungewöhnlich stürmischer Tag gewesen. Einige Palmen lagen abgeknickt da und die Strandkrebse krochen langsam wieder aus ihren Verstecken hervor. Auch eine kleine etwas abgeschieden liegende kleine Trollsiedlung hatte der Sturm nicht ganz unbeeindruckt gelassen. Einige Dächer waren vom Sturm abgedeckt worden und die Bewohner waren schon fleißig daran die Schäden zu beseitigen. Zerbrochene Holzstücke wurden weggeschafft und die Schäden an Hab und Gut begutachtet. Keiner achtete auf viel Anderes.

Es war also auch nicht sonderlich verwunderlich das keiner bemerkte das sich etwas abseits von dem Getümmel sich eine kleine junge Trollin zum Strand schlich. Für ihr Alter war sie wohl ungewöhnlich klein und schmächtig, gut einen Kopf kleiner als andere in ihrer Altersstufe. Das rote Haar hatte sie zu einem Zopf nach hinten gebunden, die kupfernen Augen blickten wachsam um sich.

Am Strand angekommen atmete sie tief durch, und setzte sich in den feuchten Sand und starrte auf das Meer. Eine kleine Spinne krabbelte aufgeregt aus dem Beutel des Mädchens, zunächst ihren Arm hinauf dann auf dem feuchten Sand zu einem unglücklichen Insekt. Die junge Trollin schien das ganze kaum zu beachten.

Nach einigen Minuten tauchte ein recht hager wirkender Mann auf. Offenbar ein Hexendoktor. An seinem Gürtel hingen zahlreiche ausgestopfte Körperteile verschiedenster Wesen und sein Körper von Tätowierungen übersät. In seine langen Hauer waren seltsam verdreht wirkende Muster geritzt, die Augen blutunterlaufen und das schwarze Haar zu einem kurzen festen Zopf hoch gebunden.

„Iolana! Da bist du ungehorsames Kind!“ Das Mädchen fuhr bei den Worten des Mannes zusammen und drehte sich schnell um und kniete sich unterwürfig hin. Der Mann packte sie am Ohr während seine Augen gierig glitzerten. „Immer machst du Schwierigkeiten.“ Er zog das Mädchen hoch und blickte ihr in das furchtsam verzogene Gesicht. „Gut das ich eine bessere Verwendung für dich habe.“ Ein kurzer überraschter Ausdruck huschte über die Mimik des Mädchens bevor es auf eine unmerkliche Bewegung des Mannes hin ohnmächtig zusammenklappte . Der Mann lachte leise in sich hinein und schulterte das Mädchen um es fortzuschaffen, weg von dem Dorf.


Zur selben Zeit etwa kamen in der Siedlung 2 Troll-Männer an. Einer schien relativ jung, vielleicht erst vor einigen Jahren in das Mannesalter gekommen. Der Andere war offensichtlich etwas gesetzter. Die Falten und der Ausdruck in seinem Gesicht deutete darauf hin das er schon das Eine oder Andere gesehen hatte. Beide trugen Kleidung wie sie für Priester der Loa üblich waren. Amulette und Figuren hingen an ihren Gürteln. „Und du meinst wirklich das deine Vision dich in dieses furchtbare Kaff geschickt hat?“ Fragte der Ältere den Jüngeren. Dieser nickte nur knapp, viel mehr damit beschäftigt einen Troll in dem ganzen Getümmel zu ergattern den er befragen konnte. Mit einer knappen Bewegung stoppte er Jemanden der gerade dabei war einige der großen Palmblätter aus dem Weg zu räumen.

Als er die Priester als solches erkannte erschrak er zunächst. „Keine Sorge,“ redete der Jüngere von Beiden, „wir suchen ein Mädchen. Rotes Haar unterdurchschnittlich klein. Sie hat ihre Eltern verloren. Wisst ihr wo wir sie finden können?“ Der Troll nickte sofort.“Ja, das kann nur die kleine Iolana sein. Sie lebt bei Doc Kao da hinten.“, damit deutete der Mann auf ein etwas abgeschiedenes Haus.“Aber es wäre ein Wunder wenn sie da ist. Darf ich euch in meine Hütte einladen und bewirten?“ Der Jüngere Priester winkte ungeduldig ab und er runzelte die Stirn, während in den Augen des Älteren zunächst kurz Gier und dann Enttäuschung aufblitzte. „Danke.“ Damit wand sich der Priester ab und ging zielstrebig auf das Haus zu. Der Ältere folgte missmutig. „Musste das wirklich sein? Ich habe seit Tagen nichts gutes mehr gegessen.“ “Du willst mir damit sagen das die Fische die ich gestern aus dem Meer gezogen habe nicht gut waren?”, der Jüngere schmunzelte bei seinen Worten während der Ältere verärgert das Gesicht verzog.

Nachdem die Priester nun wahrgenommen worden waren folgten ihnen einige neugierige Blicke. Das Haus zu dem sie geschickt worden waren war scheinbar nicht vom Sturm beeinflusst worden. Geschrei von wohl mindestens zwei Jungen drang aus der offenen Tür. “... warte nur bis Vater nach Hause kommt, nachdem er Iolana gemaßregelt hat bist dann du drann!”, tönte dann die Stimme einer erwachsenen Frau.

Als sich der jüngere Priester dem Eingang näherte wurde er beinahe von einem Halbwüchsigen umgestoßen der kopflos davon preschte. Danach tauchte eine Trollin mittleren Alters in der Türe auf. Sie verströmte den Geruch nach verschiedensten Küchenkräutern sowie Fisch. Ein Amulett mit dem Symbol eines Hais baumelte mit einem Lederband befestigt um ihren Hals. Sie wirkte nicht besonders beeindruckt als sie die Priester sah. “Entschuldigt meinen Jungen, er weiß nicht was sich gehört.”, sie musterte die Männer dann kurz nachdenklich. “Ich nehme an das ihr zu meinem Mann wollt, der ist leider nicht da. Aber ich kann euch bis zu seiner Rückkehr mit Speisen und Getränken versorgen.”

Der ältere Priester blickte hoffnungsvoll zu dem Jüngeren, der den Kopf schüttelte. “Das ist sehr freundlich, aber wir suchen ein Mädchen. Klein, rotes Haar, unterdurchschnittlich groß.”

Die Frau machte ein verärgertes Gesicht. “Hat sie euch Ärger bereitet? Das tut mir Leid, das Mädchen ist leider zu nichts zu gebrauchen. Aber ich bin sicher das Kao sie dafür ordentlich züchtigen wird. Ich hatte ihm ja damals gesagt das er das Mädchen seines toten Bruders lieber zu anderen Verwandten schicken sollte, immer macht sie ärger.” Sie setzte an noch weiter zu reden doch der Ausdruck im Gesicht des jungen Priester lies sie stoppen. “Wir suchen sie. Weshalb das so ist soll unsere Sorge sein.”

Die Frau musterte etwas irritiert die beiden Priester. “Nagut, mein Mann ist vor nicht all zu langer Zeit losgegangen um sie zu suchen. Ich bin sicher das er her kommt mit ihr. Wenn ihr möchtet könnt ihr hier bleiben und bei einem guten Getränk auf ihn warten.” Der jüngere Priester zuckte unmerklich zusammen.”Dazu bleibt keine Zeit fürchte ich.” während der Ältere ihn überrascht ansah setzte er fort, “Wo könnte er sie gefunden haben?”.

“Das weiß ich, ich hab sie davonlaufen gesehen. Sie ist bestimmt zu den drei großen Steinen am Strand gegangen.”, ein kleiner Junge schob sich hinter der Frau hervor. “Ich kann ihn euch zeigen wenn ihr wollt.” Die Priester nickten nur, woraufhin der Junge zwischen ihnen davon sprang. “Folgt mir nur, ich zeige euch den Weg.”


Es war dunkel als Iolana die Augen wieder öffnete. Ein unangenehmer Schmerz ging von ihren Handgelenken aus und als sie sich bewegen wollte wusste sie weshalb, sie war festgebunden. Sie zerrte ein wenig an ihren Fesseln aber nichts tat sich. Plötzlich spürte sie eine unangenehme Kälte, wie von einem Schatten der an einem sonnigen Tag an einem vorbei streicht.

„Ah, du bist wach.“ Das war eindeutig die Stimme ihres Onkels! Doch etwas war ungewöhnlich. Die Stimme wirkte ein wenig zittrig, geradezu aufgeregt. Sie spürte die Wärme seiner Finger als er über ihren Körper strich und irgendetwas auftrug. Malte er Symbole auf? Iolana versuchte angestrengt zu blinzeln. „Mach dir keine Mühe Mädchen, du wirst für längere Zeit nichts sehen können. Aber das ist auch besser so.“ Kao lachte heiser. Erneut spürte sie eine unheimliche Kälte an sich vorbei ziehen. Ein Schauer kroch ihr über den Rücken und lies ihre Haare aufstellen. „So will er es so kriegt er es!“, hörte sie ihren Onkel in sich hinein murmeln. Dann hörte sie wie ihr Onkel sein Messer wetzte, dieses Geräusch kannte sie von unter Tausenden. Viel zu häufig hatte sie Kao währenddessen bedienen müssen. Seine Schritte kamen wieder näher und die unheimliche Kälte wich etwas von ihr zurück. „Das wird dir etwas weh tun, aber danach wirst du nicht mehr viel Schmerz spüren.“ Er lachte leise in sich hinein. Iolana schoss ein Bild ihres Cousin in den Kopf als er voller Freude kurz davor war seine Geschenke zu bekommen, genauso lachte ihr Onkel jetzt.

Dann spürte sie den Schmerz einer scharfe Klinge die an ihren Pulsadern entlangfuhr und jene mit Sorgfalt aufschnitt. Zunächst die Linke, dann die Rechte. Schnell spürte sie das warme Blut das rasch an ihren Armen hinunter zu laufen begann. Panik begann Iolana zu überkommen. Was hatte er mit ihr vor? Sie spürte den scharfen Geruch von verbrannten Zeremonienkräutern wie sie ihr Onkel oft verwendet hatte.

Bilder von Ritualen schossen ihr durch den Kopf, sie hatte das schon oft mit Tieren gesehen. Und jetzt hatte sie deren Rolle inne. Sie begann wie wild an den Fesseln zu zerren. „Hilfe!“ „Ich brauche Hilfe!“ Viel mehr kam ihr nicht durch den Mund bevor sie den Geschmack eines dreckigen Stück Tuchs und Sand im Mund verspürte. „Aufmüpfiges kleines Ding. Du weißt ja nicht welche Ehre dir zuteil wird meine kleine Nichte.“ Tatsächlich spürte sie langsam Schwäche über sich kommen. Das Gefühl furchtbarer Hilflosigkeit überkam Iolana. Sie wollte sich erneut wehren, solange sie noch konnte als sie plötzlich ein Gedanke durchzuckte. „Bleib still liegen dann hältst du länger durch bis sie da sind.“ Iolana erschlaffte und wunderte sich ob das ihr eigener Gedanke war. Vielleicht hatten Dorfbewohner wirklich ihr verschwinden bemerkt und machten sich auf die Suche. Was für ein seltsamer Gedanke – wunderte sie sich. „Du atmest zu schnell, du musst viel langsamer atmen dein Blut muss langsamer laufen und beruhige dich verdammt noch mal!“, schoss es ihr erneut durch den Kopf. Sie versuchte sich zu konzentrieren langsamer zu atmen. „Gut, du willst ja leben, jeden verfluchten Moment den du hast. Also immer weiter so, umso langsamer umso besser.“ Iolana konzentrierte sich tiefer darauf alles langsamer zu machen. Tatsächlich es fühlte sich so an als ob das Blut langsamer tropfen würde. Leise hörte sie im Hintergrund Kaos Gemurmel und die Geräusche seiner Tätigkeiten die immer leiser zu werden schienen bis sie ganz verblassten.

Kälte begann unvermittelt in sie einzudringen. Zunächst von den Fingerspitzen wanderte sie Stück für Stück weiter über ihren Körper. Ein leises scharfes Murmeln begann durch die Stille in ihrem Kopf zu ihr durchzudringen. Sie verstand nicht was die Stimme sagte doch es war ihr unheimlich. Sie war kalt und hart. Bald waren ihre Gliedmaßen von dieser furchtbaren Kälte durchdrungen und das Gemurmel in ihrem Kopf wurde lauter, es entwickelte sich langsam zu einem immer lauter werdenden Dröhnen. Aber sie verstand sie immer noch nicht.

Plötzlich nahm sie etwas war. Sie wusste nicht was aber etwas hatte sich geändert. Die Kälte, die fast ihren Brustkorb erreicht hatte, wurde von einer wohligen Wärme die sich von ihrem ihrem Herz aus ausbreitete zurückgedrängt. Die Stimme wurde leise und verblasste schließlich in dem Moment als auch die letzte Kälte in ihr wich. Iolana spürte wie ihre Fesseln abgemacht wurden und ihr Körper langsam in sich zusammen sackte. Große weiche Hände fingen sie auf.

Plötzlich drangen Umgebungsgeräusche wieder zu ihr durch. Da war das Knirschen von Schritten auf mit Sand bedeckten Steinboden. Sie hörte Stimmen, nicht alle kannte sie, doch die Stimme ihres Onkels und Cousins waren ihr wohl bekannt. Sie wusste nicht was sie redeten, sie wirkten aber sehr aufgeregt. Etwas klirrte, es hörte sich an als ob jemand niedergeschlagen wurde. Als sie versuchte die die Augen zu öffnen nahm sie überrascht wahr das sie wieder sehen konnte. Sie war wie geblendet. Nun fiel ihr auf das sie die großen angenehm warmen Hände auf den Boden absetzten und sich von ihrem Körper lösten. „Sie lebt noch.“ Verwundert stellte sie fest das die Stimme sehr nahe war. Vermutlich von jenem dessen Hände sich eben gelöst hatten. Sie versuchte die Gestalt in ihrer Nähe wahrzunehmen, es gelang ihr aber nicht scharf zu sehen. Iolana fielen die Augen wieder zu, sie fühlte sich wie eine ausgepresste Frucht. Erst nach Tagen sollte sie sie wieder öffnen.